Was steht im Zweck einer Schweizer GmbH?
Der Zweck einer Schweizer GmbH besteht fast immer aus zwei Teilen: einem Kernsatz, der die eigentliche Tätigkeit beschreibt, und Zusatz-Sätzen, die der Firma Spielraum geben. Von 34'196 GmbH und AG, die zwischen dem 7. Oktober 2025 und dem 7. Oktober 2026 neu eingetragen wurden, haben 90 % einen Satz zu Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften und 85 % den Satz, dass die Gesellschaft alle Geschäfte tätigen kann, die mit ihrem Zweck zusammenhängen (Quelle: SHAB, Auswertung Floow, Stand 8. Oktober 2026).
| Zusatz-Satz | Anteil | GmbH | AG |
|---|---|---|---|
| Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften | 90 % | 90 % | 89 % |
| „alle Geschäfte, die mit dem Zweck zusammenhängen“ | 85 % | 88 % | 80 % |
| Beteiligungen an anderen Unternehmen | 79 % | 76 % | 83 % |
| Grundeigentum erwerben und verwalten | 74 % | 73 % | 78 % |
| Garantien und Bürgschaften | 61 % | 58 % | 68 % |
| Finanzierungen | 55 % | 51 % | 62 % |
| Immaterialgüterrechte (Lizenzen, Marken) | 25 % | 23 % | 29 % |
GmbH-Zweck Beispiele: welche Sätze werden am häufigsten verwendet?
Die drei häufigsten Zusatz-Sätze stehen wortgleich in jeweils über 2'000 neuen Schweizer GmbH und AG:
«Die Gesellschaft kann Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften im In- und Ausland errichten und sich an anderen Unternehmen im In- und Ausland beteiligen sowie alle Geschäfte tätigen, die direkt oder indirekt mit ihrem Zweck in Zusammenhang stehen.»
«Die Gesellschaft kann im In- und Ausland Grundeigentum erwerben, belasten, veräussern und verwalten.»
«Sie kann auch Finanzierungen für eigene oder fremde Rechnung vornehmen sowie Garantien und Bürgschaften für Tochtergesellschaften und Dritte eingehen.»
Der Kernsatz davor ist individuell. Die Hälfte aller Zwecke neuer GmbH und AG ist länger als 103 Wörter.
Braucht es den Satz „alle Geschäfte tätigen“?
Rechtlich ist der Satz nicht zwingend: Eine GmbH darf ohnehin alles tun, was ihr Zweck mit sich bringen kann. In der Praxis steht er aber in 85 % der neuen Schweizer GmbH und AG, und 4'272 Firmen haben ihn innerhalb eines Jahres nachträglich in ihren Zweck aufgenommen, jedes Mal mit einer Statutenänderung.
Was wird am häufigsten nachträglich in den Zweck aufgenommen?
Von 13'596 Schweizer GmbH und AG, die ihren Zweck zwischen Oktober 2025 und September 2026 geändert haben, nahmen 31 % den Satz „alle Geschäfte …“ neu auf, 27 % Garantien und Sicherheiten, 26 % Zweigniederlassungen und 22 % Finanzierungen. Es sind dieselben Standard-Sätze, die bei der Gründung gefehlt haben.
| Nachgetragen | Anteil der Zweckänderungen |
|---|---|
| „alle Geschäfte …“ | 31 % |
| „im In- und Ausland“ | 29 % |
| Garantien und Sicherheiten | 27 % |
| Zweigniederlassungen und Töchter | 26 % |
| Finanzierungen | 22 % |
| Grundeigentum | 16 % |
| Immaterialgüterrechte | 12 % |
Welche Zusätze sind je Branche typisch?
Branchen unterscheiden sich vor allem darin, was sie überdurchschnittlich oft nachtragen:
| Branche | Überdurchschnittlich oft nachgetragen | Faktor zum Schnitt |
|---|---|---|
| Software und IT | Immaterialgüterrechte (Lizenzen, Marken, Software) | etwa 1,6× |
| Bau | Vorbehalt Lex Koller (Grundstückerwerb durch Personen im Ausland) | etwa 1,9× |
| Immobilien | Vorbehalt Lex Koller | etwa 1,7× |
| Finanz, Vermögen, Versicherung | Vorbehalt einer behördlichen Bewilligung | etwa 6,2× |
| Gesundheit, Pflege, Beauty | Immaterialgüterrechte | überdurchschnittlich |
Was kostet eine Zweckänderung bei der GmbH?
Eine Zweckänderung ist eine Statutenänderung: Die Gesellschafterversammlung (bei der AG die Generalversammlung) beschliesst sie mit qualifizierter Mehrheit, ein Notar beurkundet den Beschluss öffentlich, und die Änderung wird im Handelsregister eingetragen (Art. 780 und Art. 808b OR; für die AG Art. 647 und Art. 704 OR). Dafür fallen Notariats- und Handelsregistergebühren an, die je nach Kanton unterschiedlich hoch sind.
Wie formuliert man den Zweck einer GmbH?
Ein Schweizer GmbH-Zweck beginnt mit «Die Gesellschaft bezweckt …» und nennt die konkreten Tätigkeiten, die die Firma in den nächsten Jahren ausüben wird. Danach folgen die Zusatz-Sätze, die zur Branche passen. Was absehbar dazukommt (eigene Software lizenzieren, eine Tochter gründen, Liegenschaften kaufen), gehört gleich hinein, weil jede spätere Änderung wieder Notar und Handelsregister braucht.
So hilft Floow
Wir bauen Donna gerade so um, dass sie dir bei der Gründung jeden Zusatz-Satz einzeln vorschlägt, mit den Zahlen deiner Branche. Den ganzen Ablauf siehst du im GmbH-Gründungsleitfaden.
Methode und Quelle
- Quelle: Schweizerisches Handelsamtsblatt (SHAB), öffentliche Publikationen über amtsblattportal.ch.
- Neueintragungen: 55'366 Eintragungen vom 7. Oktober 2025 bis 7. Oktober 2026, davon 34'196 GmbH und AG.
- Zweckänderungen: 228'467 Mutationen vom 7. Oktober 2025 bis 30. September 2026 durchsucht, davon 13'596 Zweckänderungen von GmbH und AG.
- Auswertung: Zusatz-Sätze per Textmuster erkannt, Branche aus dem Zweck abgeleitet. Branchenfaktoren sind deshalb Näherungen.
- Grenze: Die Daten zeigen, was eingetragen wurde, nicht was abgewiesen wurde.
- Datenschutz: Gespeichert wurden nur Rechtsform, Kanton, Datum, Sprache und Zweck, keine Namen oder Adressen.
- Stand: 8. Oktober 2026. Die Zahlen werden jährlich nachgeführt.