Du hast soeben deine GmbH gegründet – oder führst bereits eine. Nun stellst du dir die Frage aller GmbH-Geschäftsführer: Soll ich mir einen Lohn zahlen oder lieber Dividenden ausschütten? Oder eine Mischung aus beidem?
Das ist keine akademische Frage. Die falsche Aufteilung kann dich Tausende Franken pro Jahr kosten. Ein GmbH-Owner, der CHF 200'000 Gewinn macht und alles als Dividende nimmt statt als Lohn, kann leicht CHF 15'000–25'000 zusätzliche Steuern zahlen – Jahr für Jahr.
In diesem Guide durchlaufen wir gemeinsam:
- Wie Lohn und Dividende besteuert werden (inkl. Sozialversicherung)
- Warum die beiden nicht das Gleiche sind (Doppelbesteuerung, AHV-Lücken)
- Ein konkretes Rechenbeispiel für GmbH in Zug
- Faustregel für die optimale Mischung (und warum die Steuerbehörde dich prüft)
- 5 Fehler, die du vermeiden musst
Achtung: Das ist kein Ersatz für einen Steuerberater. Aber nach diesem Guide verstehst du, warum die Optimierung wichtig ist – und welche Fragen du deinem Treuhänder stellen solltest.
Warum die Frage "Lohn oder Dividende" so wichtig ist
Das Problem ist nicht Lohn oder Dividende als solches. Das Problem ist die Doppelbesteuerung – und wie du sie minimierst.
Das Doppelbesteuerungs-Problem
Wenn deine GmbH einen Gewinn macht, passiert das:
- Die GmbH zahlt Gewinnsteuer (Unternehmenssteuer) auf den Gewinn. Abhängig vom Kanton: ~12–24%.
- Der verbleibende Gewinn wird als Dividende an dich ausgeschüttet. Du zahlst darauf nochmal Einkommenssteuer + ev. Quellensteuer.
Beispiel: GmbH in Zug, Gewinn CHF 100'000.
- Gewinnsteuer Zug (~13%): CHF 13'000
- Verbleibend: CHF 87'000
- Deine persönliche Einkommenssteuer + Dividendensteuer: ~25–35% davon
- Am Ende hast du ca. CHF 55'000–60'000 netto.
Wenn du statt Dividende einen Lohn von CHF 100'000 nimmst:
- Der Lohn ist ein Betriebsaufwand – senkt den Gewinn der GmbH auf 0
- Keine Gewinnsteuer
- Du zahlst nur persönliche Einkommenssteuer auf die CHF 100'000 + Sozialversicherung
- Netto: ca. CHF 70'000–75'000
Der Unterschied? CHF 15'000 oder mehr pro Jahr. Das ist der Grund, warum Lohn und Dividende so unterschiedlich wirken.
Aber: Lohn kostet auch Sozialversicherung
Der Trick ist: Ein Lohn ist günstiger wegen der Doppelbesteuerung – aber teurer wegen der Sozialversicherung.
Auf Lohn zahlst du Sozialversicherung (AHV, IV, EO, ALV, BVG). Auf Dividende zahlst du nichts davon – nur Steuern.
Deswegen ist es nicht einfach: „Nimm alles als Lohn!" – weil die Sozialabgaben auch kostspielig sind. Die Optimierung ist, den Sweet Spot zu finden, wo Steuern + Sozialabgaben zusammen am tiefsten sind.
So wird der Lohn besteuert
Wenn du dir als GmbH-Geschäftsführer einen Lohn zahlst, kommen folgende Abzüge:
Einkommenssteuer (Bund, Kanton, Gemeinde)
Die Einkommenssteuer ist progressiv – je höher der Lohn, desto höher der Satz. Ein Beispiel aus Zug (Single):
| Brutto-Lohn | Einkommenssteuer Zug (ca.) | Effektiver Satz |
|---|---|---|
| CHF 60'000 | CHF 4'200 | 7% |
| CHF 100'000 | CHF 8'500 | 8.5% |
| CHF 150'000 | CHF 14'500 | 9.7% |
| CHF 250'000 | CHF 28'000 | 11.2% |
Die genauen Sätze hängen ab von:
- Kanton (Zug ist günstig, Genf/Basel teuer)
- Gemeinde (kann 10–20% Unterschied machen)
- Familienstand (Verheiratete zahlen oft weniger, Verhältnisse unterschiedlich je Kanton)
Sozialversicherungsbeiträge
Dies sind die Arbeitnehmer-Anteile. Deine GmbH zahlt zusätzlich die Arbeitgeber-Anteile (werden hier nicht aufgezählt, sind aber wirtschaftlich Teil des Lohnkostenaufwands):
| Versicherung | Arbeitnehmer-Anteil | Verdienst-Grenze |
|---|---|---|
| AHV | 5.3% | Keine Obergrenze (aufgerechnet auf CHF 148'200/Jahr) |
| IV | 0.7% | Keine Obergrenze |
| EO (Erwerbsersatz) | 0.3% | Nur wenn Militär/Zivilschutz |
| ALV (Arbeitslosenversicherung) | 1.1% | Max. CHF 148'200/Jahr (dann Deckelung) |
| BVG (Pensionskasse) | ½ des Arbeitgeberanteils | Min. CHF 21'330 Jahreseinkommen |
Zusammenfassung: Für einen Lohn von CHF 100'000 zahlst du ungefähr:
- AHV/IV/EO/ALV: ~7.4% = CHF 7'400
- BVG (stark abhängig von Pensionskasse, Alter, Beitragssatz): ~5–10% = CHF 5'000–10'000
- Zusammen: ca. CHF 12'400–17'400 = 12.4–17.4%
Der Lohn als Betriebsausgabe
Der große Vorteil: Der Lohn ist für die GmbH ein Betriebsaufwand. Er senkt den steuerbaren Gewinn.
Beispiel:
- GmbH-Umsatz: CHF 500'000
- Betriebsausgaben (Material, Miete, etc.): CHF 250'000
- GF-Lohn: CHF 100'000
- Steuerbarer Gewinn: CHF 150'000 (nicht CHF 250'000)
Gewinnsteuer Zug (~13%): CHF 19'500 Ersparnis vs. wenn du keinen Lohn zahlst.
Vorteile des Lohns (über Steuern hinaus)
- AHV-Rente: Nur Lohn zählt für AHV. Mit CHF 100'000 Lohn/Jahr hast du volle Beitragsjahre für deine Rente. Ohne Lohn: AHV-Lücken, kleinere Rente später.
- Säule 3a: Nur mit Erwerbseinkommen kannst du in Säule 3a einzahlen (2024: max. CHF 7'140/Jahr selbständig, CHF 4'095 angestellt). Für Vorsorge interessant.
- ALV-Versicherung: Schützt dich vor Jobverlust (eher weniger relevant als GmbH-Owner, aber rechtlich wichtig).
- BVG-Rente: Mit Lohn ≥CHF 21'330 musst du in eine Pensionskasse einzahlen. Das wirkt wie ein „erzwungenes Sparen" (für viele eine gute Sache, für andere ein Ärgernis, wenn cash-constrained).
So wird die Dividende besteuert
Gewinnsteuer auf der GmbH-Ebene
Bevor du Dividende entnehmen kannst, zahlt die GmbH Gewinnsteuer (auch: „Unternehmenssteuer" oder „Gewinnsteuern der Kantone").
Die Sätze sind sehr unterschiedlich je Kanton:
| Kanton | Gewinnsteuer-Satz (ungefähr) |
|---|---|
| Zug | 11.9% |
| Obwalden | ~12% |
| Appenzell AR | ~13% |
| Zürich | ~21% |
| Bern | ~20% |
| Genf | ~24% |
Beispiel Zug: GmbH macht CHF 100'000 Gewinn → Gewinnsteuer CHF 11'900 → CHF 88'100 verfügbar für Dividende.
Einkommenssteuer + Dividendensteuer auf der Privatperson
Die Dividende ist für dich Erwerbseinkommen und wird als Dividendeneinkommen besteuert. Hier gibt es aber seit der Bundesgesetz-Reform 2022 eine Privilegierung:
Privilegierte Besteuerung (Teilentlastung): Wenn du ≥10% der GmbH besitzt (= „qualifizierte Beteiligung"), werden nur 70% der Dividendeals Einkommen besteuert. 30% sind steuerfrei.
Das sieht dann so aus:
| Szenario | Dividende (Brutto) | Steuerbarer Anteil (70%) | Einkommenssteuer (ca. 20%) | Netto |
|---|---|---|---|---|
| Qualifizierte Beteiligung (≥10%) | CHF 88'100 | CHF 61'670 | CHF 12'334 | CHF 75'766 |
| Normale Beteiligung (<10%) | CHF 88'100 | CHF 88'100 | CHF 17'620 | CHF 70'480 |
Die 70%-Regel ist wichtig – das ist die „Teilentlastung für Beteiligungserträge" (Art. 20 DBG – Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer). Aber: Kantone können auch strengere Regeln haben. Immer deinen Steuerberater fragen!
Vorteile der Dividende
- Keine Sozialversicherungsbeiträge: Sparte ca. 12–17% vs. Lohn. Das ist der größte Vorteil.
- Flexibilität: Du bestimmst, wann und wie viel Dividende entnommen wird (Reservepflicht beachten).
- Privilegierte Besteuerung: Mit qualifizierter Beteiligung (≥10%) nur 70% besteuert.
Nachteile der Dividende
- Doppelbesteuerung: Gewinnsteuer (11–24%) + Dividendensteuer (~20%–25%) = Gesamtlast oft 25–40%.
- AHV-Lücken: Keine AHV-Beitragsjahre → kleinere AHV-Rente.
- Keine 3a: Nur mit Erwerbseinkommen kannst du 3a sparen.
- Nicht liquidierbar: Wenn die GmbH keinen Gewinn macht, gibt es keine Dividende (anders als Lohn, der zahlt sich die GmbH trotzdem selbst).
Die optimale Mischung – Rechenbeispiel
Jetzt zur Kernfrage: Wie viel Lohn, wie viel Dividende? Hier ein realistisches Rechenbeispiel.
Szenario: GmbH in Zug, Single, CHF 200'000 Unternehmensgewinn
Die GmbH macht CHF 200'000 Gewinn (vor GF-Lohn). Der GmbH-Owner ist Single, wohnt in Zug, hat keine anderen Einkommen.
Variante A: CHF 150'000 Lohn, CHF 0 Dividende
| Position | Betrag |
|---|---|
| Unternehmensgewinn (vor Lohn) | CHF 200'000 |
| abzgl. GF-Lohn | -CHF 150'000 |
| Steuerbarer Gewinn der GmbH | CHF 50'000 |
| Gewinnsteuer Zug (~13%) | CHF 6'500 |
| Gewinn nach Gewinnsteuer | CHF 43'500 |
| Für dich persönlich: | |
| Brutto-Lohn | CHF 150'000 |
| abzgl. Einkommenssteuer Zug (~9%) | -CHF 13'500 |
| abzgl. AHV/IV/EO (~6.3%) | -CHF 9'450 |
| abzgl. ALV (~1.1%) | -CHF 1'650 |
| abzgl. BVG (~7%, pauschale Schätzung) | -CHF 10'500 |
| Netto-Lohn für dich | CHF 114'900 |
| + GmbH-Gewinn nach Steuern (Reserve) | CHF 43'500 |
| GESAMTVERFÜGBAR | CHF 158'400 |
| Effektive Last (GmbH + persönlich) | ~21% auf die CHF 200'000 |
Variante B: CHF 80'000 Lohn, Rest als Dividende
| Position | Betrag |
|---|---|
| Unternehmensgewinn (vor Lohn) | CHF 200'000 |
| abzgl. GF-Lohn | -CHF 80'000 |
| Steuerbarer Gewinn der GmbH | CHF 120'000 |
| Gewinnsteuer Zug (~13%) | -CHF 15'600 |
| Dividende verfügbar | CHF 104'400 |
| Für dich persönlich: | |
| Brutto-Lohn | CHF 80'000 |
| abzgl. Einkommenssteuer (~7.5%) | -CHF 6'000 |
| abzgl. Sozialversicherung (~7.4%) | -CHF 5'920 |
| abzgl. BVG (~6%) | -CHF 4'800 |
| Netto-Lohn | CHF 63'280 |
| + Dividende (CHF 104'400) | CHF 104'400 |
| abzgl. Dividendensteuer auf Dividende (70% × 20%) | -CHF 14'616 |
| Netto-Dividende | CHF 89'784 |
| GESAMTVERFÜGBAR (Lohn + Dividende) | CHF 153'064 |
| Effektive Last (GmbH + persönlich) | ~23.5% auf die CHF 200'000 |
Variante C: CHF 0 Lohn, alles Dividende (NICHT EMPFOHLEN)
| Position | Betrag |
|---|---|
| Unternehmensgewinn (vor Lohn) | CHF 200'000 |
| Steuerbarer Gewinn der GmbH | CHF 200'000 |
| Gewinnsteuer Zug (~13%) | -CHF 26'000 |
| Dividende verfügbar | CHF 174'000 |
| Für dich persönlich: | |
| Dividende (CHF 174'000) | CHF 174'000 |
| abzgl. Dividendensteuer (70% × ~21%) | -CHF 25'578 |
| GESAMTVERFÜGBAR | CHF 148'422 |
| Effektive Last (GmbH + persönlich) | ~25.8% auf die CHF 200'000 |
| PLUS: AHV-Lücke, keine BVG, Steuerbehörde prüft kritisch |
Fazit der Rechenbeispiele:
- Variante A (100% Lohn): CHF 158'400 netto, 21% effektive Last
- Variante B (Mischung 80K/104K): CHF 153'064 netto, 23.5% effektive Last
- Variante C (0% Lohn): CHF 148'422 netto, 25.8% effektive Last + Risiken
In diesem Szenario ist Variante A (voller Lohn) am günstigsten. Aber! Das ist nur die reine Steuermathematik. Dazu kommen strategische Überlegungen:
- AHV-Schutz: Mit Lohn volle Beitragsjahre → bessere AHV-Rente später (Vorteil Variante A)
- BVG-Rente: Mit Lohn „erzwungenes Sparen" in Pensionskasse (Sicherheit, aber weniger Flexibilität)
- Liquidität: Wenn die GmbH cash-constrained ist, kann man weniger Lohn zahlen und mehr Dividende entnehmen, wenn Gewinn ausgeschüttet wird (Variante B)
- Steuerbehörde: Ein Lohn muss branchenüblich sein, sonst wird er reclassifiziert.
Faustregeln für die Optimierung
Praktische Anhaltspunkte (nicht bindend – Steuerberater konsultieren!)
- Mindestens einen branchenüblichen Lohn zahlen. Faustregel: Was würde ein angestellter Geschäftsführer mit deiner Verantwortung/Industrie verdienen? Orientiere dich daran. Die BFS (Bundesamt für Statistik) veröffentlicht Lohnstrukturerhebungen – sehr hilfreich!
- Sweet Spot: CHF 80'000–120'000 Lohn (mit Variationen je Branche, Kanton, Alter). In diesem Bereich kombiniert man:
- Gute AHV/BVG-Versicherung
- Nicht zu hohe progressive Einkommenssteuer
- Moderate Sozialabgaben
- Gleichzeitig Senkung der GmbH-Gewinnsteuer
- AHV-Deckel beachten: AHV wird auf maximale CHF 148'200/Jahr gedeckelt. Danach lohnt sich ein zusätzlicher Lohn-Franken nicht mehr für AHV (nur noch Einkommenssteuer + BVG). Viele GmbH-Owner zahlen sich ~CHF 100'000–130'000 Lohn + Rest Dividende.
- Kanton prüfen: In Zug, Obwalden, AR sehr günstig. In Genf, Zürich, Basel teuer. Die Kanton-Wahl hat großen Einfluss.
- Familienstand: Verheiratete Paare können evtl. beide in der GmbH arbeiten und Einkommen splitten = niedrigere Steuerprogression. Lohnt sich zu prüfen.
Achtung: Steuerbehörde prüft verdeckte Gewinnausschüttung
Jetzt zum kritischen Teil: Die Steuerbehörde schaut genau hin bei Lohn vs. Dividende. Es gibt zwei Risiken:
Risiko 1: Zu niedriger Lohn
Wenn du dich selbst fast nichts zahlst und die ganze Gewinne als Dividende nimmst, können die Steuerbehörden sagen:
„Das ist eine verdeckte Gewinnausschüttung. Der ‚echte' Geschäftsführer-Lohn müsste höher sein. Wir reclassifizieren die Dividende als Lohn."
Das ist problematisch, weil dann der vorher „Dividenden-Gewinn" nachträglich als Lohn neu bewertet wird – mit Nachzahlungen, Verzugszinsen, ev. Bußgelder.
Der „Drittvergleich" (Arm's Length Principle)
Die Steuerbehörden prüfen das mit dem Drittvergleich (auch: „arm's length principle" aus internationalen Normen). Frage: „Würde ein fremder Arbeitgeber für diese Tätigkeit gleich viel zahlen?"
Konkret prüfen sie:
- Branchenstandard: Was verdienen angestellte Geschäftsführer in deiner Industrie und Größe (Lohnstrukturerhebung BFS)?
- Deine Verantwortung: Größe der GmbH, Mitarbeiterzahl, Komplexität?
- Deine Qualifikation: Ausbildung, Erfahrung?
- Geografischer Ort: Zug anders als ländliche Region?
Die BFS-Lohnstrukturerhebung ist hier sehr hilfreich – sie zeigt für verschiedene Wirtschaftszweige und Firmengrößen, was der Median-Lohn ist. Wenn du dich selbst Median + etwas zahlst, hast du gute Chancen, von Steuerbehörden akzeptiert zu werden.
Risiko 2: Zu hoher Lohn
Umgekehrt: Wenn du dir selbst einen absurd hohen Lohn zahlst (z.B. GmbH macht CHF 200'000, du zahlst dir CHF 300'000 Lohn), kann die Steuerbehörde sagen:
„Das ist nicht branchenüblich. Ein Teil davon ist eine verdeckte Gewinnausschüttung (in Lohn-Form)."
Das ist weniger häufig, aber auch problematisch. Deshalb: Bleib im Rahmen des Branchenstandards, nicht zu hoch, nicht zu tief.
Wie schützt du dich?
- Dokumentation: Halte fest, warum du diesen Lohn zahlst. Verweise auf BFS-Daten, Branchenbenchmarks, deine Qualifikation.
- Schriftliche Arbeitsverträge: Zwischen dir und der GmbH sollte es einen schriftlichen Arbeitsvertrag geben, mit Lohn, Aufgaben, Verantwortung. (Ja, formell verträgt sich eine Person mit ihrer eigenen GmbH – das ist legal und normal.)
- Steuerberater früh konsultieren: Lass einen Steuerberater prüfen, ob deine Lohn-Dividende-Aufteilung haltbar ist.
Sonderfälle
Einpersonen-GmbH: Wie wird Gewinn aufgeteilt?
Wenn du die einzige Gesellschafterin bist, ist im Grunde der ganze Gewinn „dein" Gewinn – nur die Frage ist, in welcher Form du ihn entnimmst: Lohn oder Dividende.
Daher: Bei einer Einpersonen-GmbH ist die Lohn-Dividende-Optimierung besonders wichtig, weil du nicht mit anderen teilen musst. Du kannst die optimale Mix frei wählen (im Rahmen des Drittvergleichs). Das ist ein Vorteil!
Mehrere Gesellschafter: Gewinn wird aufgeteilt
Wenn es mehrere Gesellschafter gibt, muss die Gewinnausschüttung (nach Lohn-Entnahme) proportional zur Beteiligung erfolgen.
Beispiel: GmbH mit 2 Gesellschaftern (50%/50%), Gewinn CHF 200'000.
- GF-Lohn (beide arbeiten): CHF 100'000 (CHF 50'000 pro Nase)
- Verbleibender Gewinn: CHF 100'000
- Dividende pro Gesellschafter: CHF 50'000 (50% von CHF 100'000)
Die Dividende muss hier pro Gesellschafter-Anteil aufgeteilt werden – nicht nach Arbeitsleistung. (Wenn einer mehr arbeitet und mehr Lohn verdienen sollte, muss das in der Lohn-Aufteilung berücksichtigt werden, nicht in der Dividende.)
GmbH im ersten Jahr (mit Verlust oder Break-Even)
Wenn die GmbH im Jahr 1 einen Verlust macht oder break-even läuft, macht trotzdem ein Lohn Sinn:
- Betriebsaufwand: Der Lohn senkt den Verlust (oder macht das Break-even zu einem leichteren Verlust).
- AHV-Beitragsjahr: Du sicherst dir AHV-Anrechnung, selbst wenn GmbH Verlust macht.
- Liquidität: Du musst nur den Lohn aus Betriebsmitteln zahlen (nicht Mehrwert schaffen), also oft verkraftbar.
- Zukunfts-Schutz: Wenn später Gewinn kommt, kannst du schneller eine optimierte Aufteilung fahren.
Achte nur auf Liquidität: Du kannst dir Lohn nicht zahlen, wenn die Firma keine Cash hat. In dem Fall: Tieferer Lohn + ev. später Ausgleich.
5 Fehler, die GmbH-Inhaber bei Lohn und Dividende machen
Fehler 1: Gar keinen Lohn zahlen
Das Problem: Du wirst nicht erwerbstätig registriert, keine AHV-Beiträge, keine BVG. Später (mit 65) hat deine AHV-Rente große Lücken.
Zusätzlich: Steuerbehörden sehen das kritisch – „Keine Lohnpolitik? Verdächtig." Sie können behaupten, dass du heimlich Dividenden als verdeckte Lohnausschüttung nimmst.
Lösung: Immer einen branchenüblichen Lohn zahlen – auch wenn es eine kleine Summe ist (z.B. CHF 60'000).
Fehler 2: Dividende zu früh und zu viel
Das Problem: Viele GmbH-Owner zahlen sich Dividende in Jahr 1, obwohl die Firma gerade gegründet wurde und noch keine Rücklagen hat.
Das ist problematisch aus zwei Gründen:
- Reservepflicht: GmbH in der Schweiz haben Rücklagenpflichten (je nach Kanton ~5% des Gewinns). Wenn du Dividende ausschüttest, die zu Lasten der Mindestrücklage geht, kann das zu Problemen mit Gläubigern oder Steuerbehörden führen.
- Liquiditätsrisiko: Wenn die Firma in Jahr 2 einen Rückgang hat, hast du keine Puffer mehr.
Lösung: In den ersten 2–3 Jahren: Konservativer mit Dividenden. Lohn ja, aber Gewinne für Rücklagen reinvestieren.
Fehler 3: BVG-Optimierung vergessen
Das Problem: Viele GmbH-Owner zahlen sich nur CHF 50'000–60'000 Lohn und denken, damit sparen sie Sozialabgaben. Aber: Die BVG (Pensionskasse) hat oft Einkaufsmöglichkeiten, die steuersparend sind!
Beispiel: Statt nur CHF 60'000 Lohn + Dividende, zahlst du CHF 80'000 Lohn + kaufst CHF 20'000 in BVG ein. Der Einkauf ist Betriebsaufwand → senkt Gewinnsteuer. Gleichzeitig sparst du privat auf deine Rente ein (Steuerdeduktion).
Lösung: Mit Steuerberater prüfen, ob BVG-Einkäufe sinnvoll sind.
Fehler 4: Steuerklasse und Familienstand ignorieren
Das Problem: Einige Kantone rechnen sehr unterschiedlich je nach Familienstand. Verheiratete zahlen oft weniger Steuern auf dasselbe Einkommen als Singles (Splittingtarif in vielen Kantonen).
Beispiel: Single zahlt CHF 15'000 Steuer auf CHF 150'000. Verheirateter zahlt CHF 12'000 auf dasselbe Einkommen. Der Unterschied ist der Splittingtarif.
Lösung: Lass einen Steuerberater deine Lohn-Dividende-Aufteilung für deine persönliche Situation kalkulieren – nicht pauschal.
Fehler 5: Keinen Steuerberater konsultieren
Das Problem: GmbH-Gründer versuchen oft, Lohn und Dividende selbst zu kalkulieren und machen Fehler. Oder sie zahlen sich willkürlich Lohn/Dividende ohne Strategie.
Die Kosten für einen Steuerberater (CHF 1'500–3'000/Jahr) sparen sich oft 5–10x durch korrekte Optimierung + Fehler-Vermeidung.
Lösung: Nach der GmbH-Gründung einen Termin mit einem Steuerberater machen und die Lohn-Dividende-Strategie besprechen. Es lohnt sich!
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Was Floow für dich tut:
- ✅ Aufklären: Warum Lohn und Dividende unterschiedlich besteuert werden
- ✅ Rechenbeispiele: Konkrete Zahlen für deine Situation (z.B. Zug)
- ✅ Fehler aufzeigen: Was oft schiefgeht (z.B. kein Lohn zahlen, falscher Drittvergleich)
- ✅ Checkliste: Fragen, die du deinem Steuerberater stellen solltest
- ✅ Dokumentation: Was du selbst vorbereiten kannst
Was folgt nach dieser Seite:
- Lese diesen Guide (gemacht!)
- Notiere deine Zahlen (Kanton, Gewinn, Familienstand, Branche)
- Buche einen Termin mit einem Steuerberater/Treuhänder → bringt deine Zahlen mit → besprecht gemeinsam die optimale Aufteilung
- Setze die Aufteilung um (Lohn in Lohnabrechnung, Dividende im Geschäftsbericht)
- Floow hilft dir mit Checklisten, ob deine Lohnabrechnung und Bilanzierung korrekt ist
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist die optimale Lohn-Dividende-Aufteilung für meine GmbH?
Es gibt keine universelle Antwort, da sie von deinem Kanton, Familienstand, anderen Einkommen und Branche abhängt. Eine häufige Faustregel: Lohn zwischen CHF 80'000–120'000, Rest als Dividende. Der Trick ist, dass der Lohn branchenüblich sein muss (Drittvergleich), sonst reclassifiziert die Steuerbehörde ihn. Ein Steuerberater kann deine exakte optimale Aufteilung mit deinen persönlichen Zahlen kalkulieren.
Kann ich gar keinen Lohn zahlen und alles als Dividende nehmen?
Nein, das ist mit großen Risiken verbunden. Erstens: Keine AHV-Beitragsjahre, kleinere AHV-Rente später. Zweitens: Steuerbehörden prüfen das kritisch und können behaupten, dass du heimlich eine „Pseudoangestellte" bist und den Lohn als verdeckte Gewinnausschüttung reclassifizieren. Drittens: BVG-Versicherungsschutz fehlt. Immer einen angemessenen branchenüblichen Lohn zahlen.
Warum zahle ich auf Dividende keine Sozialversicherungsbeiträge?
Weil Dividenden Kapitalerträge sind, keine Erwerbseinkommen. AHV, IV, ALV und BVG sind an Erwerbseinkommen gekoppelt (AHVage). Deshalb ist die Dividende „billiger" in Sozialabgaben (~0%), aber „teurer" in Steuern (Doppelbesteuerung: Gewinnsteuer + Dividendensteuer). Der optimale Mix balanciert diese beiden Kosten.
Wie hoch darf mein Lohn maximal sein, ohne Steuerbehörde zu reizen?
Solange dein Lohn branchenüblich ist und dem entspricht, was ein angestellter Geschäftsführer mit deiner Verantwortung verdienen würde, ist es OK. Die Steuerbehörde prüft das mit dem „Drittvergleich" (arm's length principle). Wenn dein Lohn 3× höher als der Branchenstandard ist, kann es problematisch werden. Im Gegenteil: Zu niedriger Lohn wird als verdeckte Gewinnausschüttung reclassifiziert.
Welche Kantone sind am steuergünstigsten für GmbH?
Zug, Basel-Landschaft, Appenzell Ausserrhoden und Obwalden haben die tiefsten Gewinnsteuersätze (~11–13%). Allerdings: Seit der Steuerreform Bundesgesetz gibt es weniger Unterschied als früher. Die Wahl des Kantons ist aber NICHT das einzige Kriterium – deine Lohn-Dividende-Aufteilung hat oft mehr Hebel. Konsultiere einen Steuerberater für deine Situation.
Was passiert, wenn ich falsch beilagen und die Steuerbehörde prüft?
Nachzahlungen, Verzugszinsen (5% per anno), Bußgelder (bis zu 4× der hinterzogenen Steuer), Reputationsschaden. Im schlimmsten Fall: Strafverfahren. Deshalb: nicht selber raten. Ein Steuerberater kostet CHF 1'500–3'000/Jahr und spart dir leicht 5–10x das Honorar durch korrekte Optimierung.
Kann ich in meinem ersten Geschäftsjahr (mit Verlust) trotzdem einen Lohn zahlen?
Ja, und das ist oft sinnvoll. Ein Verlust im Jahr 1 bedeutet, dass die Firma noch nicht profitabel ist – ein Geschäftsführer-Lohn ist dennoch betriebsnotwendig und senkt den Verlust. Im Jahr 2+ kann dich dann mit echtem Gewinn optimieren. Achte nur darauf, dass du den Lohn aus Betriebsmitteln bezahlen kannst (Liquidität).
Zusammenfassung: Lohn vs. Dividende – Die wichtigsten Erkenntnisse
1. Es gibt keine universelle Antwort. Die optimale Aufteilung hängt ab von deinem Kanton, Familienstand, Branche, Unternehmensgewinn und persönlichen Zielen (z.B. AHV-Rente aufbauen vs. Flexibilität).
2. Die Faustregel: Zahle dir einen branchenüblichen Lohn (oft CHF 80'000–120'000), nehm den Rest als Dividende. Das ist oft ein guter Kompromiss zwischen Steuern und Sozialabgaben.
3. Drittvergleich nicht vergessen. Dein Lohn muss eine gerechtfertigte Höhe haben – sonst reclassifiziert die Steuerbehörde die Dividende. Use die BFS Lohnstrukturerhebung als Referenz.
4. Vollständiger Lohn (0% Dividende) ist oft günstiger, aber nicht immer praktikabel (Liquidität, BVG-Pflicht). Eine Mischung ist oft der elegante Weg.
5. Steuerberater ist keine Luxus, sondern eine zwingende Investition. CHF 1'500–3'000/Jahr für Beratung sparen sich 5–10x durch Optimierung.
6. Dokumentation ist dein Schutz. Arbeitsvertrag zwischen dir und GmbH, Begründung der Lohnhöhe, Referenzen zu Branchenstandards – das schützt dich bei Kontrollen.
Letzter Tipp: Nach deiner GmbH-Gründung sollte deine erste Aufgabe sein, einen Steuerberater zu konsultieren und mit ihm deine Lohn-Dividende-Strategie für die nächsten 3 Jahre durchzusprechen. Das erspart dir später viel Ärger und Steuern.