AG gründen in der Schweiz — Voraussetzungen, Kosten, Ablauf

Um eine AG in der Schweiz zu gründen, brauchst du mindestens CHF 100'000 Aktienkapital, von dem bei der Gründung mindestens 20 % je Aktie und insgesamt mindestens CHF 50'000 einbezahlt sind (Art. 621 und 632 OR), einen Sitz mit Geschäftsadresse in der Schweiz, die öffentliche Beurkundung beim Notar und eine vertretungsberechtigte Person mit Wohnsitz in der Schweiz (Art. 718 Abs. 4 OR). An Gebühren fallen beim Handelsregister die schweizweit einheitliche Grundgebühr von CHF 420 plus CHF 20 je eingetragene Person und Zeichnungsberechtigung sowie Auslagen an, beim Notar je nach Kanton rund CHF 700–2'000 (Richtwert); die AG-Gründung dauert typischerweise 3–7 Wochen.

16 Min. LesezeitAktualisiert: Oktober 2026

Die AG (Aktiengesellschaft) ist neben der GmbH die zweite grosse Kapitalgesellschaft in der Schweiz. Sie ist die bevorzugte Rechtsform für wachstumsorientierte Unternehmen, die Investoren aufnehmen oder ihre Aktionäre nicht öffentlich zeigen möchten.

Im Gegensatz zur GmbH braucht eine AG mindestens CHF 100'000 Aktienkapital. Dafür bietet sie dir Vorteile wie freie Übertragbarkeit von Aktien, einfachere Kapitalbeschaffung und höhere Glaubwürdigkeit bei Investoren und Partnern.

Dieser Guide führt dich durch alle Schritte: von den Voraussetzungen über die Kosten bis zum fertigen Handelsregistereintrag. Faktenbasiert, mit Gesetzesartikeln und verständlich.

GmbH oder AG — der Unterschied in einer Tabelle (Stand: Oktober 2026)

GmbHAG
MindestkapitalCHF 20'000, voll einbezahltCHF 100'000, davon mind. 20 % je Aktie und insgesamt mind. CHF 50'000 einbezahlt (Art. 621, 632 OR)
Inhaber öffentlich?Ja — Gesellschafter stehen im HandelsregisterNein — Aktionäre sind nicht im Handelsregister
Übertragung der AnteileSchriftlicher Vertrag + Zustimmung der Gesellschafterversammlung (Art. 785/786 OR)Ohne Zustimmung der Mitaktionäre übertragbar (Namenaktien per Indossament oder schriftlicher Abtretung); die Statuten können das beschränken (Vinkulierung)
OrganeGesellschafterversammlung, GeschäftsführungGeneralversammlung, Verwaltungsrat
Wohnsitz-Erfordernis1 vertretungsberechtigte Person mit CH-Wohnsitz, Geschäftsführer oder Direktor (Art. 814 Abs. 3 OR)gleich, Verwaltungsrat oder Direktor (Art. 718 Abs. 4 OR)
Typischer EinsatzKMU, Einzelgründung, DienstleistungKapitalbedarf, Investoren, Anonymität

Der eine Satz, wenn du nur einen liest: Die GmbH kostet weniger Kapital und zeigt ihre Inhaber öffentlich; die AG kostet mehr Kapital und hält ihre Aktionäre privat — das ist für die meisten Gründungen der entscheidende Unterschied.

Warum eine AG gründen?

Die AG ist mehr als nur eine Alternative zur GmbH — sie ist eine eigene Strategie. Hier die wichtigsten Gründe, warum Unternehmer sich für die AG entscheiden:

  • Anonymität: Aktionäre werden im Handelsregister nicht namentlich genannt. Die AG führt aber ein Aktienbuch und meldet ihre wirtschaftlich Berechtigten dem nicht öffentlichen Transparenzregister des Bundes.
  • Freie Übertragbarkeit: Aktien gehen ohne Zustimmung der übrigen Aktionäre über, solange die Statuten nichts anderes vorsehen — ideal, wenn du planst, später zu verkaufen oder neue Investoren aufzunehmen.
  • Kapitalbeschaffung: Investoren, VCs und Business Angels sind gewohnt, mit AGs zu arbeiten. Mit einem Kapitalband in den Statuten kann der Verwaltungsrat das Aktienkapital während höchstens fünf Jahren selbst erhöhen, ohne jedes Mal die Generalversammlung einzuberufen (Art. 653s OR).
  • Hohe Glaubwürdigkeit: Die AG signalisiert Stabilität und Professionalität — besonders wichtig bei B2B-Geschäften und internationalen Partnerschaften.
  • Beschränkte Haftung: Wie bei der GmbH haftest du nicht persönlich für die Schulden der Gesellschaft (Art. 620 Abs. 2 OR).

Faustregel: Wenn du planst, Investoren aufzunehmen oder Anteile später zu verkaufen, ist die AG oft die passende Wahl. Für kleine KMU und Dienstleister ist die GmbH meist günstiger.

Welche Voraussetzungen gelten, um eine AG zu gründen?

Für die AG-Gründung brauchst du mindestens CHF 100'000 Aktienkapital, davon mindestens 20 % je Aktie und insgesamt mindestens CHF 50'000 einbezahlt, einen Verwaltungsrat mit mindestens einem Mitglied, einen Sitz mit Geschäftsadresse in der Schweiz, die öffentliche Beurkundung beim Notar und eine vertretungsberechtigte Person mit Wohnsitz in der Schweiz. Mit dem Eintrag ins Handelsregister (Grundgebühr CHF 420, dazu CHF 20 je eingetragene Person und Zeichnungsberechtigung sowie Auslagen) entsteht die AG. Die Einzelheiten:

Aktienkapital: Mindestens CHF 100'000

Eine AG braucht mindestens CHF 100'000 Aktienkapital (Art. 621 OR). Bei der Gründung müssen davon mindestens 20 % je Aktie und insgesamt mindestens CHF 50'000 einbezahlt sein (Art. 632 OR). Bei CHF 100'000 Kapital ist das also mindestens die Hälfte. Der Rest ist eine Liberierungsverpflichtung: Die Aktionäre müssen das Geld später einzahlen, wenn es die AG verlangt.

Das Aktienkapital wird in Aktien aufgeteilt. Seit dem 1. Januar 2023 muss der Nennwert einer Aktie nur noch grösser als null sein (Art. 622 Abs. 4 OR) — die frühere Untergrenze von einem Rappen gibt es nicht mehr.

Beispiel: Du gründest eine AG mit CHF 100'000 Aktienkapital. Du hältst 80% (80'000 Aktien à CHF 1.00), dein Mitgründer 20% (20'000 Aktien à CHF 1.00). Bei der Gründung werden je Aktie 50 % einbezahlt: du CHF 40'000, dein Mitgründer CHF 10'000 — zusammen die mindestens nötigen CHF 50'000. Der Rest ist liberierbar.

Sacheinlagen: Statt Bargeld kannst du auch Sachwerte (Immobilien, Maschinen, Patente) einbringen. Dafür braucht es einen Sacheinlagevertrag und einen Gründungsbericht, den ein zugelassener Revisor prüft (Art. 634, 635 und 635a OR) — das kostet extra und dauert länger.

Gründer und Verwaltungsrat

Für die AG brauchst du folgende Organe:

  • Gründer: Mindestens eine natürliche oder juristische Person. Es gibt keine Obergrenze.
  • Verwaltungsrat: Mindestens ein Mitglied (es gibt keine Obergrenze). Der Verwaltungsrat ist das Leitungsorgan — er kann Geschäftsführer anstellen oder Mitglieder mit Geschäftsführungsbefugnissen beauftragen.
  • Generalversammlung: Jährlich obligatorisch. Hier entscheiden die Aktionäre über Gewinnverteilung, Statutenänderungen und Wahl des Verwaltungsrats.
  • Revisionsstelle: Abhängig von der Grösse (siehe FAQ).

Wohnsitzpflicht: Die AG muss durch eine Person vertreten werden können, die Wohnsitz in der Schweiz hat; diese Person muss Mitglied des Verwaltungsrats oder Direktor sein (Art. 718 Abs. 4 OR). Für Gründer ohne Schweizer Wohnsitz: Eine Person mit Wohnsitz in der Schweiz — zum Beispiel ein beauftragter Treuhänder — wird als Verwaltungsrat oder Direktor mit Einzelunterschrift eingetragen (oder mit Kollektivunterschrift zu zweien, wenn auch die zweite Person in der Schweiz wohnt).

Sitz und Geschäftsadresse

Jede AG braucht einen eingetragenen Sitz in der Schweiz. Der Sitz bestimmt deinen Gerichtsstand und in der Regel den zuständigen Steuerkanton.

Du hast drei Optionen:

  • Eigenes Büro: Die AG hat ihr eigenes Rechtsdomizil am Sitz.
  • Coworking Space: Möglich, wenn eine dauerhafte Geschäftsadresse inkludiert ist
  • Domiziladresse (c/o): Professionelle Adresse ohne eigene Bürofläche — das Handelsregister verlangt dafür die Bestätigung des Domizilhalters.

Der Kanton des Sitzes hat direkte Auswirkungen auf deine Steuerlast. Luzern (11.66 %), Zug (11.71 %) und Nidwalden (11.97 %) haben die tiefsten effektiven Gewinnsteuersätze am Kantonshauptort, Bern (20.54 %) und Zürich (19.47 %) die höchsten (KPMG, Stand 2026). Besteuert wird aber dort, wo die Firma tatsächlich geführt wird — ein blosser Sitz reicht nicht (Bundesgericht 9C_652/2025). Einen Vergleich aller 26 Kantone — Steuersätze, Gebühren, Abläufe — findest du in unserer Kantons-Übersicht.

Was kostet es, eine AG zu gründen?

Eine AG zu gründen kostet an Gebühren für den Handelsregister-Eintrag die Grundgebühr von CHF 420 (schweizweit einheitlich, dazu CHF 20 je eingetragene Person und Zeichnungsberechtigung sowie Auslagen) plus den Notar, dessen Gebühr jeder Kanton anders regelt — Richtwert CHF 700–2'000, im Kanton Zürich CHF 500 plus 8.1 % MWST. Dazu zahlst du mindestens CHF 50'000 Aktienkapital ein, das der AG gehört und kein Kostenpunkt ist. Floow erhebt keine eigene Gründungsgebühr; für die fertigen Gründungsdokumente brauchst du das Abo Core für CHF 29 pro Monat.

PostenKosten (CHF)Hinweis
Aktienkapital (Einzahlung bei Gründung)mind. 50'000Von mind. CHF 100'000 Aktienkapital mindestens 20 % je Aktie und insgesamt mindestens CHF 50'000; wird nach HR-Eintrag freigegeben — gehört der AG
Notar / Urkundspersonje nach Kanton, Richtwert 700 – 2'000Kantonaler Tarif: z. B. Zürich (Amtsnotariat) 500 + 8.1 % MWST, Bern 1'000 – 1'600 + MWST (bei reiner Bargründung darf das Minimum um bis zu 50 % tiefer liegen). In manchen Kantonen (z. B. Luzern) sind die Statuten nicht in der Gebühr enthalten.
Handelsregistereintragab 420 (Grundgebühr)Schweizweit einheitliche Bundesgebühr (GebV-HReg, seit 2021), SHAB-Publikation inbegriffen; dazu CHF 20 je eingetragene Person und Zeichnungsberechtigung sowie Auslagen
Beglaubigungen & Nebenkostenje nach KantonUnterschriftsbeglaubigungen, Auszüge
Kapitaleinzahlungskontoje nach BankManche Banken verlangen eine Gebühr, andere nicht — vorher fragen
Emissionsabgabe0Fällt erst auf Kapital über CHF 1 Mio. an (1 % auf dem Teil darüber, ESTV)
Floow Core (für die fertigen Gründungsdokumente)29/MonatErster Monat fällig, bevor Floow die Gründungsdokumente erstellt (nach der Kapitalbestätigung); monatlich kündbar
Geschäftsadresse (optional)109/MonatFloow-Geschäftsadresse in Zug (c/o) mit Postservice, zusätzlich zu Core (zusammen 138/Monat)

Fazit: Ohne Kapital kosten Notar und Handelsregister zusammen je nach Kanton zum Beispiel ab CHF 960.50 in Zürich (540.50 + 420 Grundgebühr) oder rund CHF 1'120–2'420 mit dem Notar-Richtwert; dazu kommen die Zuschläge des Handelsregisters sowie Bank- und Beglaubigungsgebühren je nach Anbieter und Kanton. Einzuzahlen sind mindestens CHF 50'000 — das Geld bleibt als Betriebskapital in der AG.

Beauftragst du einen Treuhänder oder eine Kanzlei mit der AG-Gründung, kommt deren Honorar dazu — besonders wenn Sacheinlagen geprüft werden müssen. Floow erhebt keine eigene Gründungsgebühr und kassiert die Gründungskosten nicht — Notar, Handelsregister und Bank bezahlst du direkt. Für die fertigen Gründungsdokumente brauchst du das Abo Core (CHF 29 pro Monat): Der erste Monat ist fällig, bevor Floow die Dokumente erstellt, danach ist es monatlich kündbar.

Wie läuft die AG-Gründung Schritt für Schritt ab?

Der Gründungsprozess besteht aus sechs klar definierten Schritten. So läuft es ab:

1. Firmenname prüfen und Statuten erstellen

Der erste Schritt ist die Wahl des Firmennamens. Der Name muss sich von bestehenden Firmen deutlich unterscheiden — das prüfst du über den Zentralen Firmenindex Zefix (zefix.ch). Der Name muss den Zusatz «AG» oder «Aktiengesellschaft» enthalten.

Die Statuten sind die Verfassung deiner AG. Sie regeln:

  • Firma (Name) und Sitz
  • Zweck der Gesellschaft
  • Höhe des Aktienkapitals und Nennwert der Aktien
  • Aktienkategorien (z. B. Namenaktien, Stimmrechtsaktien, Vorzugsaktien)
  • Rechte und Pflichten der Aktionäre
  • Verwaltungsrat: Zusammensetzung, Befugnisse, Sitzungen
  • Generalversammlung: Einladung, Abstimmungsregeln
  • Revisionsstelle und deren Aufgaben
  • Gewinnauszahlung und Dividenden

Tipp: Halte den Zweck breit — «Geschäftstätigkeit in der IT und verwandten Bereichen» statt «Softwareentwicklung». So brauchst du später nicht für jede neue Tätigkeit eine Statutenänderung.

2. Kapitaleinlagekonto eröffnen und Kapital einzahlen

Du eröffnest ein Kapitaleinzahlungskonto (oft Sperrkonto genannt). Das Gesetz verlangt ein Institut, das dem Bankengesetz untersteht (Art. 633 Abs. 1 OR): eine Bank oder ein Fintech mit FINMA-Bewilligung nach Art. 1b Bankengesetz. Das Eidgenössische Amt für das Handelsregister anerkennt die Bestätigung beider seit seiner Praxismitteilung 3/23 vom 30. November 2023. Dort zahlst du mindestens 20 % je Aktie und insgesamt mindestens CHF 50'000 ein. Das Institut gibt dir eine Kapitaleinzahlungsbestätigung, die du für den Notar brauchst. Floows Unterlagen sehen die volle Einzahlung vor: Du zahlst das ganze Aktienkapital vor dem Notartermin auf das Kapitaleinzahlungskonto ein.

Kapitaleinzahlungskonten bieten zum Beispiel die Kantonalbanken, UBS, Raiffeisen und PostFinance an, digital auch einige Fintechs mit dieser Bewilligung. Nicht jede App, die ein Geschäftskonto führt, darf eine Kapitaleinzahlungsbestätigung ausstellen: Frag nach der FINMA-Bewilligung, bevor du einzahlst.

Das Sperrkonto wird nach dem Handelsregistereintrag freigegeben. Was nicht einbezahlt ist (bei CHF 100'000 Kapital und CHF 50'000 Einzahlung also CHF 50'000), bleibt eine Liberierungsverpflichtung — du oder die anderen Aktionäre müssen es auf Aufforderung nachzahlen.

3. Notartermin: Gründungsurkunde beurkunden

Die AG-Gründung muss von einer Urkundsperson (Notar) öffentlich beurkundet werden (Art. 629 OR). Beim Notartermin werden unterschrieben:

  • Die Gründungsurkunde (die Errichtungsurkunde)
  • Die Statuten
  • Die Zeichnung der Aktien durch die Gründer
  • Die Annahmeerklärungen der Verwaltungsratsmitglieder (und der Revisionsstelle, falls eine gewählt wird)

Wichtig: Im Errichtungsakt stellen die Gründer fest, dass alle Aktien gültig gezeichnet sind, dass die versprochenen Einlagen dem Ausgabebetrag entsprechen, dass die gesetzlichen Einzahlungsvorschriften erfüllt sind und dass keine anderen Sacheinlagen, Verrechnungstatbestände oder besonderen Vorteile bestehen als die in den Belegen genannten (Art. 629 Abs. 2 OR) — die frühere separate «Stampa-Erklärung» ist damit Teil der Urkunde. Bei Sacheinlagen braucht es zusätzlich die Prüfungsbestätigung eines zugelassenen Revisors.

Wenn du im Ausland bist, musst du nicht selbst zum Notar: Mit einer schriftlichen, meist beglaubigten Vollmacht kann dich eine andere Person vertreten. Eine Beurkundung per Video sieht das Schweizer Recht heute nicht vor.

4. Handelsregister-Anmeldung

Nach dem Notartermin reicht die Urkundsperson die Unterlagen beim zuständigen kantonalen Handelsregisteramt ein. Folgende Dokumente werden benötigt:

  • Die Anmeldung, unterschrieben von den zeichnungsberechtigten Personen (Unterschriften beglaubigt oder beim Amt gezeichnet)
  • Öffentliche Urkunde über den Errichtungsakt
  • Statuten (von der Urkundsperson beglaubigt)
  • Bankbescheinigung über die Einlagen — nur nötig, wenn die Bank nicht schon in der Urkunde genannt ist
  • Annahmeerklärung der Revisionsstelle oder Verzichtserklärung (Opting-out)
  • Je nach Fall: Bestätigung des Domizilhalters (c/o-Adresse), Lex-Friedrich-Erklärung, Belege zu Sacheinlagen

Ausweiskopien und eine separate «Stampa-Erklärung» sind keine Handelsregister-Belege: Die Identität prüfen Urkundsperson bzw. Amt, und die Stampa-Feststellung steht im Errichtungsakt.

5. Eintrag und Publikation im SHAB

Das Handelsregisteramt prüft die Unterlagen — wie lange das dauert, ist kantonal unterschiedlich und oft der längste Einzelschritt der Gründung. Nach erfolgreicher Prüfung wird deine AG im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) publiziert und erhält ihre UID-Nummer (Unternehmens-Identifikationsnummer).

Ab dem Eintrag im Handelsregister existiert deine AG rechtlich. Das Sperrkonto wird freigegeben — du kannst über das einbezahlte Kapital verfügen. Der nicht einbezahlte Teil bleibt eine Verpflichtung der Aktionäre.

6. Aktienbuch anlegen und Verwaltung starten

Nach der Gründung führst du ein Aktienbuch über die Namenaktien und ihre Eigentümer (Art. 686 OR). Die wirtschaftlich berechtigten Personen meldet die AG innerhalb eines Monats nach der Eintragung im Handelsregister dem Transparenzregister des Bundes (Art. 9 Abs. 4 TJPG, in Kraft seit 1. Oktober 2026); das frühere interne Verzeichnis nach Art. 697l OR ist aufgehoben.

Zusätzlich musst du dich bei Sozialversicherungen anmelden:

  • AHV/IV/EO-Ausgleichskasse: Pflicht für alle Verwaltungsratsmitglieder mit Honorar und alle Angestellten
  • BVG (Pensionskasse): Ab dem ersten Angestellten mit Jahreslohn über CHF 22'680 (Stand 2026)
  • UVG (Unfallversicherung): Obligatorisch für alle Angestellten — auch für dich, wenn die AG dir einen Lohn zahlt
  • MWST-Anmeldung: Obligatorisch ab CHF 100'000 Umsatz aus steuerbaren Leistungen pro Jahr (Art. 10 MWSTG)

Was passiert nach der Gründung?

Mit dem Handelsregistereintrag ist die Gründung abgeschlossen — aber die Arbeit beginnt erst. Diese Punkte darfst du nicht vergessen:

  • Transparenzregister melden: Eine ab dem 1. Oktober 2026 eingetragene AG meldet innerhalb eines Monats nach der Eintragung im Handelsregister, wer sie letztlich kontrolliert (in der Regel, wer mindestens 25 % des Kapitals oder der Stimmen hält) — elektronisch über EasyGov.swiss (Art. 9 Abs. 4 TJPG). Sind alle wirtschaftlich Berechtigten als Gesellschafter oder Organ im Handelsregister eingetragen, kann die Meldung stattdessen zusammen mit einer Handelsregister-Anmeldung beim Handelsregisteramt eingereicht werden (Art. 11 TJPG), bei einer Gründung also gleich mit der Anmeldung. Wer das vorsätzlich unterlässt, riskiert eine Busse bis CHF 500'000. → Transparenzregister: Fristen und Meldung
  • Geschäftskonto einrichten: Das Sperrkonto wird zu deinem Geschäftskonto oder du eröffnest ein separates.
  • Buchhaltung aufsetzen: Du bist buchführungspflichtig (Art. 957 OR). Eine saubere Buchhaltung von Tag 1 spart dir Ärger mit dem Steueramt.
  • Aktienbuch führen: Alle Aktienkäufe, Übertragungen und Eigentümerwechsel müssen dokumentiert sein.
  • Generalversammlung durchführen: Die ordentliche Generalversammlung findet jedes Jahr innert sechs Monaten nach Abschluss des Geschäftsjahres statt (Art. 699 Abs. 2 OR) — die erste also nach deinem ersten Geschäftsjahr. Sie genehmigt die Jahresrechnung und entscheidet über die Verwendung des Gewinns.
  • Sozialversicherungen anmelden: AHV, BVG, UVG — die Beitragspflicht beginnt mit der Tätigkeit bzw. dem ersten Lohn, auch ohne Anmeldung.
  • Domainname sichern: Wenn noch nicht geschehen, sichere dir die .ch-Domain.

Floow begleitet dich weiter: Nach der Gründung zeigt dir Floow deine gesetzlichen Fristen mit Rechenweg, und Donna beantwortet deine Fragen. Mit der Floow-Geschäftsadresse kommt deine Post gescannt dazu.

Besonderheiten der AG

Die AG hat Besonderheiten, die dich als Gründer betreffen. Hier die wichtigsten:

  • Aktienbuch und Transparenzregister: Du führst ein Aktienbuch (Art. 686 OR) und meldest die wirtschaftlich berechtigten Personen innerhalb eines Monats nach der Eintragung im Handelsregister dem Transparenzregister des Bundes (Art. 9 Abs. 4 TJPG). Wer das vorsätzlich unterlässt, riskiert eine Busse bis CHF 500'000.
  • Namenaktien vs. Inhaberaktien: Inhaberaktien sind seit dem 1. November 2019 nur noch für börsenkotierte Gesellschaften oder als Bucheffekten zulässig (OR Art. 622 Abs. 1bis); für eine neue AG gibt es praktisch nur Namenaktien mit Eintrag im Aktienbuch.
  • Revisionsstelle: Eine ordentliche Revision braucht die kleine AG, wenn sie zwei Jahre in Folge 2 der 3 Grössen überschreitet oder Aktionäre mit zusammen 10 Prozent des Kapitals es verlangen: CHF 20 Mio. Bilanzsumme, CHF 40 Mio. Umsatzerlös, 250 Vollzeitstellen (Art. 727 OR). Darunter gilt die eingeschränkte Revision — oder ein Opting-out bei höchstens 10 Vollzeitstellen mit Zustimmung aller Aktionäre (Art. 727a OR).
  • Vinkulierung: Du kannst in den Statuten Übertragungsbeschränkungen festlegen — z.B. dass Aktien erst vom Verwaltungsrat genehmigt werden müssen. Das schützt dich vor unerwünschten Investoren.
  • Generalversammlung: Jedes Jahr obligatorisch. Du musst alle Aktionäre einladen, einen Bericht präsentieren und abstimmen über Gewinnauszahlung, Statutenänderungen etc.

Die 5 häufigsten Fehler bei der AG-Gründung

Diese Fehler kosten Zeit, Geld und Glaubwürdigkeit — und sie lassen sich vermeiden:

  1. Zu wenig Kapital liberiert: Bei der Gründung müssen mindestens 20 % je Aktie und insgesamt mindestens CHF 50'000 einbezahlt sein. Wenn du weniger einzahlst, wird der HR-Eintrag abgelehnt. Prüfe mit deiner Bank, dass die Kapitaleinlagebestätigung korrekt ist.
  2. Wohnsitzpflicht vergessen: Die AG muss durch eine Person mit Wohnsitz in der Schweiz vertreten werden können — ein Verwaltungsratsmitglied oder einen Direktor. Ohne sie lehnt das Handelsregister den Eintrag ab.
  3. Aktienbuch oder Transparenzregister vergessen: Das Aktienbuch ist Pflicht, und die Meldung ans Transparenzregister hat eine Frist von einem Monat nach der Eintragung — Investoren fragen bei jeder Prüfung danach. Dokumentiere jeden Aktienkauf, jede Übertragung, jeden Namen.
  4. Opting-out-Erklärung vergessen: Will deine AG auf die eingeschränkte Revision verzichten, braucht es die schriftliche Verzichtserklärung beim Handelsregister. Ohne sie braucht die AG eine Revisionsstelle.
  5. GV-Protokolle nicht erstellt: Nach jeder Generalversammlung muss ein Protokoll vorliegen. Das ist nicht nur für die Transparenz nötig — es schützt dich auch rechtlich, falls später Streit entsteht.

AG vs. GmbH — Welche Rechtsform passt besser?

Die Frage «AG oder GmbH?» entscheidet oft über den Erfolg deiner Finanzierung und dein Wachstum. Hier der detaillierte Vergleich:

KriteriumAGGmbH
MindestkapitalCHF 100'000, davon mind. 20 % je Aktie und insgesamt mind. CHF 50'000 einbezahlt (Art. 621, 632 OR)CHF 20'000 (vollständig einbezahlt)
TransparenzAktionäre nicht im HR eingetragen (anonym)Gesellschafter namentlich eingetragen (transparent)
Übertragbarkeit von AnteilenGrundsätzlich frei übertragbar, ohne Zustimmung der Mitaktionäre (Vinkulierung möglich)Schriftlicher Abtretungsvertrag + Zustimmung der Gesellschafterversammlung (Art. 785/786 OR)
KapitalbeschaffungEinfacher (Investoren gewohnt, Kapitalband möglich)Schwieriger (weniger Investoren gewohnt)
Einzahlung bei der GründungMind. CHF 50'000 + Notar + Handelsregister ab CHF 420 (Grundgebühr)CHF 20'000 + Notar + Handelsregister ab CHF 420 (Grundgebühr)
Laufende ComplianceHöher (Aktienbuch, GV, Revisor/Opting-out)Geringer (weniger reguliert)
GlaubwürdigkeitInternational anerkanntIn der Schweiz verbreitet, solide
EignungScale-ups, Investoren-finanziert, internationalKMU, Startups, lokale Geschäfte

Unsere Empfehlung: Starte mit einer GmbH, wenn:

  • Du keine externe Finanzierung planst
  • Du eine lokale Dienstleistung anbietest
  • Transparenz für dein Business kein Problem ist

Wähle eine AG, wenn:

  • Du Investoren aufnehmen willst (VC, Business Angels)
  • Du international expandieren willst
  • Du Anonymität brauchst (strategisch oder persönlich)
  • Du planst, Anteile zu verkaufen oder zu übertragen

Häufig gestellte Fragen

Wie viel kostet eine AG-Gründung in der Schweiz?

Die Pflichtgebühren einer AG-Gründung sind die Handelsregister-Gebühr (schweizweit einheitliche Bundesgebühr: Grundgebühr CHF 420, dazu CHF 20 je eingetragene Person und Zeichnungsberechtigung sowie Auslagen) und die Gebühr des Notars, die jeder Kanton anders regelt: Richtwert CHF 700–2'000, im Kanton Zürich CHF 500 plus 8.1 % MWST. Zusammen sind das zum Beispiel in Zürich ab CHF 960.50 (540.50 + 420 Grundgebühr), mit dem Notar-Richtwert rund CHF 1'120–2'420; dazu kommen die Zuschläge des Handelsregisters sowie Bank- und Beglaubigungsgebühren je nach Anbieter und Kanton. Vom Aktienkapital (mindestens CHF 100'000) zahlst du bei der Gründung mindestens CHF 50'000 ein — das ist kein Kostenpunkt, das Geld bleibt als Betriebskapital in der AG.

Kann ich eine AG alleine gründen?

Ja, eine Einpersonen-AG ist möglich. Du brauchst mindestens eine natürliche oder juristische Person als Gründer. Du bist gleichzeitig Aktionär und kannst auch als Verwaltungsratsmitglied fungieren.

Was ist der Unterschied zwischen Namenaktien und Inhaberaktien?

Seit dem 1. November 2019 sind Inhaberaktien nur noch für börsenkotierte Gesellschaften oder als Bucheffekten zulässig (OR Art. 622 Abs. 1bis, Global-Forum-Gesetz); bestehende unzulässige Inhaberaktien wurden am 1. Mai 2021 von Gesetzes wegen in Namenaktien umgewandelt. Für eine neu gegründete AG gibt es daher praktisch nur Namenaktien: Die Aktionäre stehen im Aktienbuch (Art. 686 OR), und die wirtschaftlich berechtigten Personen meldet die AG seit dem 1. Oktober 2026 dem Transparenzregister des Bundes (Art. 9 TJPG).

Brauche ich eine Revisionsstelle bei einer AG?

Eine ordentliche Revision brauchen Publikumsgesellschaften, Gesellschaften mit Pflicht zur Konzernrechnung und Gesellschaften, die in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren zwei der drei Grössen überschreiten: Bilanzsumme CHF 20 Mio., Umsatzerlös CHF 40 Mio., 250 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt (Art. 727 Abs. 1 OR, für die GmbH über Art. 818 Abs. 1 OR). Verlangen Aktionäre mit zusammen mindestens 10 Prozent des Aktienkapitals eine ordentliche Revision, ist sie ebenfalls Pflicht; bei der GmbH kann das jeder Gesellschafter mit Nachschusspflicht (Art. 727 Abs. 2, Art. 818 Abs. 2 OR). Unterhalb dieser Grössen ist die eingeschränkte Revision der Normalfall (Art. 727a Abs. 1 OR). Darauf verzichten (Opting-out) kann eine Gesellschaft nur, wenn sie im Jahresdurchschnitt höchstens zehn Vollzeitstellen hat und alle Aktionärinnen und Aktionäre bzw. Gesellschafterinnen und Gesellschafter zustimmen. Seit dem 1. Januar 2025 gilt ein Verzicht nur für künftige Geschäftsjahre und muss vor deren Beginn beim Handelsregisteramt angemeldet werden, zusammen mit der Jahresrechnung des letzten Geschäftsjahres; bei der Gründung genügt die Verzichtserklärung. Der Verzicht gilt danach auch für die folgenden Jahre, doch jede Aktionärin und jeder Aktionär bzw. Gesellschafter kann spätestens zehn Tage vor der Generalversammlung wieder eine eingeschränkte Revision verlangen (Art. 727a Abs. 2, 2bis und 4 OR, Art. 62 Abs. 3 HRegV).

Wie lange dauert die AG-Gründung?

Die Gründung dauert insgesamt typischerweise 3–7 Wochen: 1–2 Tage für die Vorbereitung der Dokumente, 5–10 Werktage für Kapitalkonto und Einzahlung (die Bestätigung der Bank kommt danach meist per Post, in 2–5 Tagen), 1–3 Tage für den Notartermin und die restliche Zeit für die Bearbeitung durch das kantonale Handelsregisteramt — das ist kantonal unterschiedlich und oft der längste Einzelschritt.

Kann ich eine GmbH in eine AG umwandeln?

Ja, eine Umwandlung von GmbH in AG ist gemäss Fusionsgesetz möglich. Das nennt sich Formwechsel. Die bestehende GmbH wird in eine AG umgewandelt, ohne dass eine Liquidation nötig ist. Ein Rechtsanwalt kann dich bei diesem Prozess unterstützen.

GmbH oder AG — was ist der wichtigste Unterschied?

Die GmbH kostet weniger Kapital (CHF 20'000 statt CHF 100'000) und zeigt ihre Inhaber öffentlich im Handelsregister; die AG kostet mehr Kapital und hält ihre Aktionäre privat — das ist für die meisten Gründungen der entscheidende Unterschied.


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So ist diese Seite entstanden: Recherche und Text mit KI-Unterstützung. Zahlen und Rechtsaussagen werden gegen amtliche Quellen abgeglichen. Verantwortlich: Ivan Markovic, Gründer von Floow. Stand: Oktober 2026. So arbeiten wir mit KI
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Floow Redaktion

Fachinhalte zur Firmengründung in der Schweiz. Quellen: BFS, ESTV, SECO, kantonale Handelsregisterämter.

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