Nach der Gründung: Die Checkliste für die ersten 90 Tage

Glückwunsch — deine Firma ist im Handelsregister eingetragen. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Diese Checkliste führt dich durch alle Pflichten, Fristen und Sofortmassnahmen.

15 min LesezeitAktualisiert: März 2026

Was dich in den ersten 90 Tagen erwartet

Der Handelsregistereintrag ist ein Meilenstein — aber er ist nur der Startschuss. Mit dem SHAB-Eintrag (Schweizerisches Handelsamtsblatt) beginnt die Uhr zu laufen: Fristen für AHV-Anmeldung, MWST-Registrierung und Versicherungspflichten.

Das Problem: Die meisten Gründer wissen nicht, was auf sie zukommt. EasyGov endet nach dem Eintrag, der Notar erklärt den Gründungsakt — aber niemand erklärt das Danach. Das Ergebnis: Versäumte Fristen, unerwartete Bussgelder und im schlimmsten Fall rechtliche Konsequenzen.

Was du in den ersten 90 Tagen erledigen musst:

  • Woche 1: AHV/SVA anmelden, Betriebskonto eröffnen, Fake-Rechnungen abwehren
  • Monat 1: MWST prüfen, Unfallversicherung (UVG), Krankentaggeld (KTG), Haftpflicht
  • Monat 2: BVG-Pensionskasse anschliessen (falls Lohn ≥ CHF 22'680)
  • Monat 3: Buchhaltungssystem einrichten, Jahresplanung

Die gute Nachricht: Mit der richtigen Reihenfolge ist alles machbar. Diese Seite führt dich Schritt für Schritt durch alle Pflichten — mit konkreten Fristen, Kosten und Links zu den zuständigen Stellen.

Woche 1: Sofortmassnahmen nach dem HR-Eintrag

Diese drei Punkte solltest du in der ersten Woche nach dem Handelsregistereintrag erledigen. Zwei davon haben harte Fristen, einer schützt dich vor einem sehr häufigen Betrugsversuch.

1. AHV/SVA anmelden — Frist: 3 Monate

Die AHV-Anmeldung ist deine erste und wichtigste Pflicht. Als Arbeitgeber musst du dich innerhalb von 3 Monaten nach dem Handelsregistereintrag bei der zuständigen kantonalen Ausgleichskasse (SVA) anmelden.

Was passiert, wenn du die Frist verpasst? Die SVA kann Beiträge rückwirkend einfordern, einen Zuschlag erheben und bei wiederholten Verstössen straf- und zivilrechtliche Massnahmen einleiten (AHVG Art. 64 ff.).

Wer muss sich anmelden?

  • GmbH als Arbeitgeber: Sobald du dir selbst als Geschäftsführer einen Lohn auszahlst oder Angestellte beschäftigst, bist du AHV-pflichtig.
  • Einpersonen-GmbH ohne Lohn: Wenn du dir keinen Lohn auszahlst, entfällt die AHV-Pflicht als Arbeitgeber — aber du solltest trotzdem prüfen, ob du als "Nichterwerbstätige Person" AHV-Beiträge leisten musst.

Wie meldest du dich an?

Die Anmeldung erfolgt bei der kantonalen SVA (z.B. SVA Zug, SVA Zürich). Die meisten SVAs bieten Online-Formulare an. Du brauchst: Handelsregisterauszug, UID-Nummer, Angaben zu Lohnzahlungen (geschätzter Jahreslohn).

AHV-Beitragssatz 2026 (total): 10.6% des Bruttolohns (je 5.3% Arbeitgeber + Arbeitnehmer). Dazu kommen ALV (2.2%), IV (1.4%), EO (0.5%), FAK (kantonal ~1.5–2.5%).

Gesamtbelastung Lohnnebenkosten (Arbeitgeberanteil): ca. 13–15% des Bruttolohns, abhängig vom Kanton.

Quelle: AHV/IV/EO-Gesetz, BSV 2026

2. Betriebskonto eröffnen

Deine GmbH ist eine eigene Rechtsperson — sie braucht ein eigenes Bankkonto. Das Kapitaleinzahlungskonto, das du für die Gründung genutzt hast, wird nach dem HR-Eintrag zum normalen Geschäftskonto umgewandelt. Aber du musst die Bank darüber informieren und das Konto aktivieren.

Welche Bank für eine neue GmbH?

Die klassischen Schweizer Banken (UBS, Credit Suisse-Nachfolger, Kantonalbanken) sind bekannt dafür, neue GmbHs abzulehnen oder Wochen für die Kontoeröffnung zu brauchen. Digitale Banken sind schneller:

BankDauerKosten/MonatBesonderheit
Neon Business1–3 TageCHF 10–20Schnellste Option, einfaches KYC
Yapeal1–5 TageCHF 9–19IBAN.ch, Multicard
ZKB / Kantonalbank1–4 WochenCHF 0–30Stabil, aber langsam. Ideal für später
PostFinance5–14 TageCHF 15–25Weit verbreitet, bekannte Marke

Wichtig: Privat- und Geschäftsfinanzen niemals mischen. Das ist nicht nur ordnungswidrig — es macht deine Buchhaltung zum Albtraum und kann im Streitfall die beschränkte Haftung der GmbH gefährden.

3. Fake-Rechnungen: Die erste Falle nach der Gründung

⚠️ Achtung: Kurz nach deiner SHAB-Publikation (oft schon nach wenigen Tagen) wirst du Rechnungen von unbekannten Firmen erhalten. Diese sehen aus wie offizielle Behördenrechnungen — sind es aber nicht. Du schuldest ihnen nichts.

Lies mehr dazu in unserem detaillierten Guide: Fake-Rechnungen nach der Gründung — so erkennst und abwehrst du sie.

Monat 1: Versicherungen und MWST

Nach den Sofortmassnahmen folgen im ersten Monat die Versicherungsentscheide. Manche sind obligatorisch, andere dringend empfohlen.

4. MWST prüfen und anmelden

Die Mehrwertsteuer (MWST) ist eines der komplexesten Themen für neue Unternehmen. Hier die wichtigsten Fakten:

SituationWas giltWas tun
Jahresumsatz < CHF 100'000Keine MWST-PflichtNichts tun — oder freiwillig anmelden (kann vorteilhaft sein)
Jahresumsatz ≥ CHF 100'000MWST obligatorischInnerhalb von 30 Tagen beim ESTV anmelden
Umsatz erwartet > CHF 100'000Proaktiv anmeldenBereits vor Überschreitung anmelden (Pflicht sobald Schwelle in Sicht)

MWST-Steuersätze 2026

  • 7.7% Normalsatz — Standardleistungen
  • 2.6% Sondersatz — Beherbergungsleistungen (Hotels)
  • 2.5% Reduziertester Satz — Lebensmittel, Bücher, Zeitungen, Medikamente

Quelle: ESTV, Mehrwertsteuergesetz MWSTG

Freiwillige MWST-Registrierung

Auch ohne Pflicht kann es sinnvoll sein, sich freiwillig zu registrieren — besonders wenn du viele vorsteuerbelastete Inputs hast (z.B. Investitionen in Ausrüstung) oder mit MWST-pflichtigen Firmen arbeitest. Sprich das mit deinem Treuhänder durch.

Die Anmeldung erfolgt über das ESTV-Onlineportal (www.estv.admin.ch). Du erhältst eine MWST-Nummer und kannst ab dann Vorsteuern geltend machen.

5. UVG — Unfallversicherung

Das Unfallversicherungsgesetz (UVG) schreibt vor, dass alle Arbeitnehmenden gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert sind. Als Arbeitgeber bist du für die UVG-Anmeldung verantwortlich.

  • Obligatorisch für Angestellte: Berufsunfall + Nichtberufsunfall (ab 8h Wochenstunden).
  • Geschäftsführer GmbH: Freiwillige UVG-Versicherung möglich und empfohlen.
  • Anbieter: SUVA (automatisch für viele Branchen), private Versicherungen (AXA, Zurich, Helvetia, Mobiliar) für andere Branchen.

Bitte dich innerhalb der ersten Wochen bei einer Versicherung anzumelden — Rückwirkungen sind möglich, aber teurer.

6. KTG — Krankentaggeld

Das Krankentaggeld (KTG) ist in der Schweiz nicht obligatorisch, aber für GmbHs dringend empfohlen. Das KTG deckt den Lohnausfall, wenn du oder deine Mitarbeitenden krankheitsbedingt ausfallen.

Ohne KTG bist du als Arbeitgeber verpflichtet, bei Krankheit den Lohn für eine gesetzliche Karenzfrist weiterzuzahlen (OR Art. 324a) — danach ist der Schutz weg.

Empfehlung: Kollektive KTG-Versicherung abschliessen, die 720 Taggeldhöhe (80% des Lohns) ab dem 3. Krankheitstag abdeckt. Kosten: ca. CHF 2–4 pro CHF 100 versichertem Monatslohn.

7. Betriebshaftpflicht

Auch nicht obligatorisch, aber für jede professionelle Firma unverzichtbar. Die Betriebshaftpflicht schützt dich, wenn deine Firma einem Dritten durch ihre Tätigkeit Schaden zufügt.

  • Betriebshaftpflicht: Schäden die deine Firma im Betrieb verursacht (z.B. Unfall beim Kunden)
  • Berufshaftpflicht: Fehler bei der Berufsausübung (z.B. Beratungsfehler, Programmierfehler)
  • Produkte-Haftpflicht: Bei physischen Produkten relevant

Kosten: ab CHF 200/Jahr für einfache Betriebshaftpflicht, höher für Berufshaftpflicht (je nach Branche und Deckungssumme).

Monat 2: BVG-Pensionskasse anschliessen

Das BVG (Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge) ist die zweite Säule des Schweizer Sozialversicherungssystems. Als GmbH-Geschäftsführer bist du — anders als Selbständigerwerbende — BVG-pflichtig, sobald du dir einen bestimmten Mindestlohn auszahlst.

KennzahlWert 2026
Eintrittsschwelle (BVG-Pflicht ab)CHF 22'680/Jahr Bruttolohn
KoordinationsabzugCHF 26'460/Jahr
Versicherter Lohn (Mindest)CHF 3'675 — CHF 62'475/Jahr
Altersgutschriften (je nach Alter)7% bis 18% des versicherten Lohns

Quelle: BVG, BSV 2026

Wie schliesse ich mich einer Pensionskasse an?

Kleine GmbHs schliessen sich typischerweise einer Sammelstiftung an (z.B. AXA Stiftung, Helvetia Sammelstiftung, BVG-Sammelstiftung der Mobiliar). Der Anschluss erfolgt über einen Antrag, die Prämien werden monatlich bezahlt (je hälftig Arbeitgeber + Arbeitnehmer).

Tipp: Wenn du dir keinen oder einen sehr kleinen Lohn auszahlst und stattdessen Dividenden beziehst, fällst du möglicherweise unter die BVG-Eintrittsschwelle. Das kann steuerlich interessant sein — aber hat Auswirkungen auf deine Altersvorsorge. Kläre das mit einem Treuhänder.

Frist

Es gibt keine starre gesetzliche Frist für den BVG-Anschluss — aber: Du bist rückwirkend beitragspflichtig ab dem Zeitpunkt, an dem du die Eintrittsschwelle überschritten hast. Anschluss so früh wie möglich.

Monat 3: Buchhaltung einrichten

Eine GmbH ist nach Obligationenrecht (OR Art. 957 ff.) zur ordentlichen Buchführung verpflichtet — das bedeutet: doppelte Buchhaltung, Jahresabschluss mit Bilanz und Erfolgsrechnung, Aufbewahrungspflicht 10 Jahre.

Deine Optionen

  • Selbst mit Software: Bexio, Abacus, AbaNinja, Banana Accounting. Gut für kleine GmbHs mit überschaubaren Transaktionen. Kosten ab CHF 0 (AbaNinja Free) bis CHF 150/Monat (Bexio Pro).
  • Treuhandpartner: Empfohlen wenn du keine Zeit oder Erfahrung hast. Kosten: CHF 200–800/Monat je nach Volumen und Anbieter.
  • Hybrid: Du führst laufend Buch (Bexio), der Treuhänder prüft und erstellt den Jahresabschluss. Häufigste Lösung für KMUs.

Was du vom ersten Tag an aufbewahren musst

  • Alle Rechnungen (eingehend und ausgehend) — 10 Jahre
  • Bankauszüge — 10 Jahre
  • Verträge — 10 Jahre
  • Lohnabrechnungen — 10 Jahre
  • Handelsregister- und Gründungsdokumente — dauerhaft

Lohnabrechnung

Wenn du Angestellte beschäftigst (inkl. dich selbst), musst du monatlich Lohnabrechnungen erstellen und die AHV-/ALV-/BVG-Beiträge abrechnen. Die meisten Buchhaltungs-Tools unterstützen das — oder dein Treuhandpartner übernimmt es.

Vollständige Checkliste — erste 90 Tage

Hier ist die vollständige Checkliste in chronologischer Reihenfolge. Drucke sie aus oder speichere sie — du wirst mehrmals darauf zurückkommen.

WannWasFrist / PflichtZuständige Stelle
Tag 1–7AHV/SVA anmelden🔴 3 Monate, obligatorischKantonale SVA
Tag 1–7Betriebskonto aktivieren / eröffnen🔴 SofortHausbank oder Neobank
Tag 1–14Fake-Rechnungen erkennen und ignorieren⚠️ Achtung — kein Geld senden— (SHAB-Monitoring)
Woche 2–4MWST prüfen und ggf. anmelden🟠 30 Tage nach PflichtüberschreitungESTV (estv.admin.ch)
Woche 2–4UVG-Unfallversicherung abschliessen🔴 Obligatorisch bei AngestelltenSUVA oder private Versicherung
Woche 2–4KTG-Krankentaggeld prüfen🟡 EmpfohlenAXA, Zurich, Helvetia, Mobiliar
Woche 2–4Betriebshaftpflicht abschliessen🟡 EmpfohlenDiverse Versicherer
Monat 2BVG-Pensionskasse anschliessen🟠 Obligatorisch ab CHF 22'680 LohnSammelstiftung oder eigene PK
Monat 3Buchhaltungssystem einrichten🔴 Obligatorisch ab Tag 1Bexio, AbaNinja oder Treuhänder
LaufendLohnabrechnungen erstellen🔴 MonatlichBuchhaltungssoftware oder Treuhänder
LaufendBelege sammeln und archivieren🔴 10 Jahre AufbewahrungspflichtDigital oder physisch

Häufige Fragen nach der Gründung

Wie lange habe ich nach der GmbH-Gründung Zeit, um die AHV anzumelden?

Du musst dich innerhalb von 3 Monaten nach dem Handelsregistereintrag bei der kantonalen Ausgleichskasse (SVA) anmelden. Diese Frist ist verbindlich — eine verspätete Anmeldung kann zu Bussgeldern und Nachzahlungspflichten führen.

Ab wann ist eine GmbH MWST-pflichtig?

Eine GmbH ist ab einem Jahresumsatz von CHF 100'000 obligatorisch MWST-pflichtig. Wer weniger Umsatz erwartet, kann sich freiwillig registrieren lassen — das ist in manchen Fällen steuerlich vorteilhaft. Die Anmeldung erfolgt über das ESTV-Portal.

Ab wann ist die BVG-Pensionskasse Pflicht für Geschäftsführer?

Geschäftsführer und Angestellte, die ein Jahresgehalt von mindestens CHF 22'680 beziehen, sind BVG-pflichtig (Stand 2026). Als GmbH-Geschäftsführer bist du nicht automatisch als Selbständiger behandelt — du brauchst einen Pensionskassenanschluss.

Welche Versicherungen sind für eine neue GmbH obligatorisch?

Obligatorisch sind: AHV/IV/EO-Beiträge (Arbeitgeber + Arbeitnehmer), UVG (Betriebsunfallversicherung bei Angestellten, freiwillig für Geschäftsführer), BVG (ab CHF 22'680 Jahreslohn). Empfohlen (nicht obligatorisch): KTG (Krankentaggeld), Betriebshaftpflicht, Berufshaftpflicht.

Muss ich als GmbH eine doppelte Buchhaltung führen?

Ja, eine GmbH ist nach OR zur ordentlichen Buchführung (doppelte Buchhaltung) verpflichtet. Das gilt unabhängig von der Grösse. Eine ordentliche Revision ist ab einem Umsatz von CHF 10 Mio. oder 250 Vollzeitstellen erforderlich, darunter reicht eine eingeschränkte Revision — oder ein Opting-out bei kleinen GmbHs.

Was sind Fake-Rechnungen und wie erkenne ich sie?

Nach der SHAB-Publikation (Handelsregister) erhalten viele neue GmbHs Rechnungen für Dienste, die sie nie bestellt haben. Typische Beispiele: "Handelsregister-Erfassung Online", "Unternehmensverzeichnis Eintrag", "Markenüberwachung". Diese sind nicht obligatorisch und kommen von privaten Anbietern die offizielle Behörden imitieren. Zahle niemals ohne vorherige Prüfung.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Fristen und Schwellenwerte können sich ändern. Prüfe aktuelle Werte bei den zuständigen Behörden (SVA, ESTV, BSV) oder konsultiere einen Treuhänder.

Quellen: AHVG, MWSTG, BVG, UVG, OR Art. 324a, OR Art. 957 ff., BSV, ESTV, AHV/IV/EO Beitragssätze 2026.

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Floow Redaktion

Geprüfte Fachinhalte zur Firmengründung in der Schweiz. Quellen: BFS, ESTV, SECO, kantonale Handelsregisterämter.

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