Die Einzelfirma ist die einfachste und schnellste Gründungsform in der Schweiz. Du brauchst kein Mindestkapital, keinen Notar, keinen formellen Gründungsakt. Die Einzelfirma entsteht automatisch mit Aufnahme deiner selbständigen Tätigkeit.
Ideal für: Freelancer, Berater, Handwerker, Kleinunternehmer, Nebenerwerb.
Dieser Guide zeigt dir Schritt für Schritt, wie du deine Einzelfirma gründest, dich bei der AHV anmeldest und alles korrekt aufbaust — ohne versteckte Kosten oder überflüssige Formalitäten.
Warum eine Einzelfirma?
Die Einzelfirma ist die einfachste und schnellste Rechtsform. Kein Mindestkapital, kein Notar, und unter CHF 100'000 Umsatz pro Jahr kein Handelsregister-Eintrag nötig. Du kannst morgen starten — heute kannst du noch die Anmeldungen vorbereiten.
Hier die wichtigsten Vorteile:
- Keine Gründungsgebühr: Kein Mindestkapital, kein Notar. Der Handelsregister-Eintrag kostet ab CHF 80 (Grundgebühr, dazu CHF 20 je eingetragene Person und Zeichnungsberechtigung sowie Auslagen) — Pflicht erst ab CHF 100'000 Umsatz, sonst freiwillig.
- Sofort startklar: Die Einzelfirma entsteht automatisch. Du kannst ab Tag 1 tätig sein.
- Volle Kontrolle: Du triffst alle Entscheide alleine. Keine Gesellschafter, keine Abstimmungen.
- Einfache Buchhaltung: Unter CHF 500'000 Umsatz genügt eine Aufstellung über Einnahmen, Ausgaben und Vermögenslage («Milchbüchlein», Art. 957 Abs. 2 OR).
- Flexibel: Aufhören geht ohne Liquidationsverfahren — war die Einzelfirma eingetragen, meldest du die Löschung im Handelsregister an.
Zu beachten: Die Einzelfirma haftet unbegrenzt mit dem gesamten Privatvermögen. Das ist der grosse Unterschied zur GmbH, die nur mit dem Gesellschaftsvermögen haftet.
Voraussetzungen für die Einzelfirma-Gründung
Die Voraussetzungen für eine Einzelfirma sind deutlich niedriger als bei einer GmbH. Trotzdem gibt es ein paar Punkte, die du prüfen musst.
Wer kann eine Einzelfirma gründen?
Nur natürliche Personen können eine Einzelfirma gründen — nicht juristische Personen (andere Firmen, Stiftungen). Du brauchst:
- Handlungsfähigkeit: volljährig (18 Jahre) und urteilsfähig (Art. 13 ZGB)
- Als ausländische Staatsangehörige eine passende Bewilligung: Mit Niederlassungsbewilligung C darfst du ohne Weiteres selbständig erwerbstätig sein. Drittstaatsangehörige mit Aufenthaltsbewilligung B brauchen für den Wechsel in die Selbständigkeit eine Bewilligung (Art. 38 Abs. 3 AIG); EU/EFTA-Bürger klären ihren Status beim kantonalen Migrationsamt.
- Eine Person: Die Einzelfirma ist für EINE Person. Mit Partner → Kollektivgesellschaft oder GmbH
Wichtig: Ob du als selbständigerwerbend giltst, entscheidet die Ausgleichskasse. Sie prüft, ob du unter eigenem Namen und auf eigene Rechnung arbeitest, unabhängig bist und das wirtschaftliche Risiko selbst trägst.
Firmenname und Namensrecht
Der Firmenname muss deinen Familiennamen enthalten (OR Art. 945). Das ist die Grundregel. Zusätze sind erlaubt:
- «Markovic Consulting» — Familienname + Fantasie-Zusatz ✓
- «Markovic Design Studio» — Familienname + Zusatz ✓
- «Ivan Markovic» — Familienname + Vorname ✓
- «Creative Agency» (ohne Familiennamen) — nicht zulässig ✗
Firmenname prüfen: Im Handelsregister (zefix.ch) kannst du kostenfrei prüfen, ob dein Name schon vergeben ist. Ohne Handelsregister-Eintrag hat dein Firmenname keinen firmenrechtlichen Schutz; mit Eintrag darf ihn an deinem Ort kein anderer Geschäftsinhaber verwenden (Art. 946 OR) — GmbH und AG sind dagegen schweizweit geschützt.
Kein Rechtsformzusatz nötig: Anders als bei GmbH («GmbH») oder AG («AG») brauchst du bei einer Einzelfirma keinen Zusatz wie «Einzelfirma» oder «Einzelunternehmen». Das ist optional.
Kein Mindestkapital erforderlich
Eine der grössten Stärken der Einzelfirma: Du brauchst KEIN Mindestkapital. Nicht CHF 20'000 wie bei der GmbH, nicht CHF 100'000 wie bei der AG. Null.
Du bestimmst, mit wie viel Kapital du startest — CHF 1'000 oder CHF 100'000. Das ist ganz dir überlassen. Solange du den Betrieb finanzieren kannst, bist du handlungsfähig.
Beispiel: Du möchtest als Grafiker starten. Du hast einen Laptop (Privatvermögen) und CHF 2'000 für Software-Lizenzen und Marketing. Das reicht völlig. Kein Notar, kein Sperrkonto, kein Reglement.
Welche Kosten hat die Gründung einer Einzelfirma (Einzelunternehmen) in der Schweiz?
Die Gründung einer Einzelfirma kostet in der Schweiz ohne Handelsregister-Eintrag nichts: Es gibt kein Mindestkapital, keinen Notar, und die Anmeldung bei der Ausgleichskasse kostet keine Gebühr. Lässt du dich ins Handelsregister eintragen — Pflicht ab CHF 100'000 Umsatz im letzten Geschäftsjahr, freie Berufe ausgenommen —, kostet das die Grundgebühr von CHF 80 (GebV-HReg), dazu CHF 20 je eingetragene Person und Zeichnungsberechtigung, Auslagen und die Beglaubigung deiner Unterschrift. Kantonale Handelsregisterämter nennen deshalb Gesamtbeträge über der Grundgebühr, der Kanton Aargau etwa rund CHF 200–300 für eine Einzelfirma.
| Posten | Kosten (CHF) | Hinweis |
|---|---|---|
| Startkapital | Frei wählbar | Kein Mindestkapital, du entscheidest |
| Anmeldung bei der Ausgleichskasse | 0 | Keine Gebühr; die AHV-Beiträge zahlst du laufend |
| Handelsregistereintrag | ab 80 (Grundgebühr) | Pflicht ab CHF 100'000 Umsatz im letzten Geschäftsjahr (freie Berufe ausgenommen), sonst freiwillig; zzgl. CHF 20 je eingetragene Person und Zeichnungsberechtigung, Auslagen und Unterschriftsbeglaubigung |
| Domain und Website | je nach Anbieter | Optional aber empfohlen |
| Buchhaltungssoftware | 0 bis einige 100/Jahr | Gratis-Varianten (z. B. Banana) oder bezahlt (z. B. bexio ab CHF 35/Monat im Jahresabo, exkl. MWST) |
| Versicherungen | je nach Branche und Deckung | Berufshaftpflicht, Krankentaggeld, Unfall, Altersvorsorge |
Fazit: Die reine Gründung kostet CHF 0 — mit Handelsregister-Eintrag die Grundgebühr von CHF 80 plus CHF 20 je eingetragene Person und Zeichnungsberechtigung, Auslagen und Beglaubigung. Das ist die günstigste Gründungsform. Laufend kommen AHV-Beiträge, Versicherungen und allenfalls Buchhaltungssoftware dazu.
Wie gründest du eine Einzelfirma Schritt für Schritt?
In sechs Schritten: Tätigkeit aufnehmen, dich bei der AHV-Ausgleichskasse anmelden, die Handelsregister-Pflicht prüfen (ab CHF 100'000 Umsatz), die MWST-Pflicht prüfen (ab CHF 100'000 Umsatz aus steuerbaren Leistungen), Versicherungen abschliessen und die Buchhaltung aufsetzen.
1. Tätigkeit aufnehmen
Das ist der wichtigste Punkt: Die Einzelfirma entsteht automatisch mit Aufnahme deiner selbständigen Tätigkeit. Du brauchst KEINEN formellen Gründungsakt, KEINEN Notar, KEINE Anmeldung beim Handelsregister (unter CHF 100'000 Umsatz).
Was zählt als «Aufnahme der Tätigkeit»? Konkrete Massnahmen:
- Du schreibst deine erste Rechnung
- Du hast den ersten Kunden/Auftrag
- Du kaufst geschäftliche Ausrüstung (Laptop, Werkzeuge, Büromöbel)
- Du eröffnest ein Geschäftskonto
- Du trittst aktiv am Markt auf (Marketing, Netzwerken, Kunden anwerben)
Ob du als selbständigerwerbend anerkannt wirst, prüft die Ausgleichskasse bei der Anmeldung. Als Beilagen helfen Offerten, Rechnungen, Verträge oder ein Mietvertrag für dein Geschäftslokal.
2. Wie läuft die Anmeldung bei der AHV-Ausgleichskasse?
Du meldest dich mit dem Formular für Selbständigerwerbende bei der Ausgleichskasse am Geschäftssitz an — in der Regel die kantonale Ausgleichskasse, als Mitglied eines Verbands, der eine eigene Ausgleichskasse führt, diese Verbandsausgleichskasse. Sie prüft, ob du als selbständigerwerbend giltst, und erhebt danach deine AHV/IV/EO-Beiträge. Eine gesetzliche Frist nennt das AHV-Gesetz nicht (Art. 64 Abs. 5 AHVG), die Beiträge schuldest du aber ab Beginn der Tätigkeit — melde dich deshalb gleich zu Beginn an.
So läuft es ab:
- Formular «Anmeldung Selbständigerwerbende» auf der Website deiner Ausgleichskasse ausfüllen
- Belege beilegen, die deine Selbständigkeit zeigen (Offerten, Rechnungen, Verträge)
- Die Ausgleichskasse prüft die Selbständigkeit und bestätigt deinen Status
- Danach erhältst du die Rechnungen für die Akontobeiträge
Worauf die Ausgleichskasse schaut: ob du unter eigenem Namen und auf eigene Rechnung arbeitest, unabhängig bist und das wirtschaftliche Risiko trägst. Hinweise darauf sind z. B. mehrere Auftraggeber, eigenes Inkassorisiko, eigene Infrastruktur (Home Office reicht) und Arbeitsmittel in deinem Eigentum.
AHV/IV/EO-Beitrag (Stand 2026): 10 % deines Erwerbseinkommens aus selbständiger Tätigkeit (AHV 8.1 %, IV 1.4 %, EO 0.5 %). Unter CHF 60'500 Jahreseinkommen sinkt der Satz stufenweise bis auf 5.371 %; unter CHF 10'100 zahlst du den Mindestbeitrag von CHF 530 pro Jahr. Dazu kommen Verwaltungskosten von höchstens 5 % der Beiträge (Merkblatt 2.02, ahv-iv.ch). Im Nebenerwerb mit höchstens CHF 2'500 Einkommen pro Jahr werden Beiträge nur auf Verlangen erhoben; wer den Mindestbeitrag schon über seinen Lohn bezahlt, kann statt CHF 530 den tiefsten Satz von 5.371 % verlangen.
Gekoppelt: Mit der Anmeldung bist du auch in der IV (Invalidenversicherung) und der EO (Erwerbsersatz) versichert, und du wirst einer Familienausgleichskasse angeschlossen; deren Beitragssatz legt der Kanton fest, er kommt zu den 10 % dazu.
3. Handelsregister-Eintrag (Pflicht ab CHF 100'000 Umsatz)
Unter CHF 100'000 Jahresumsatz ist der HR-Eintrag freiwillig. Ab einem Umsatzerlös von CHF 100'000 im letzten Geschäftsjahr ist er Pflicht (Art. 931 Abs. 1 OR). Angestellte lösen keine Eintragungspflicht aus. Ausgenommen sind freie Berufe und Landwirte, sofern sie kein nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe betreiben.
Solltest du dich freiwillig eintragen? Hier die Vorteile:
- Namensschutz: Eine eingetragene Einzelfirma schützt dich ab der Publikation im SHAB nur an ihrem Ort: Dort darf kein anderer Geschäftsinhaber denselben Namen verwenden (Art. 946 und 956 OR).
- Glaubwürdigkeit: Banken, Kunden, Partner sehen dich als «offiziell» registriert
- Kontoeröffnung: Ein HR-Auszug kann die Eröffnung eines Geschäftskontos erleichtern
Kosten: Grundgebühr CHF 80 (schweizweit einheitliche Bundesgebühr, GebV-HReg; keine separate SHAB-Gebühr), dazu CHF 20 je eingetragene Person und Zeichnungsberechtigung sowie Auslagen, zzgl. Beglaubigung deiner Unterschrift.
Prozess: Du füllst die Anmeldung aus und reichst sie mit einer Ausweiskopie und beglaubigter Unterschrift beim kantonalen Handelsregisteramt ein. Wie lange die Bearbeitung dauert, hängt vom kantonalen Amt ab. Die Publikation erfolgt im SHAB (Schweizerisches Handelsamtsblatt).
4. MWST prüfen
Deine MWST-Situation hängt vom Umsatz ab:
- Unter CHF 100'000 Umsatz aus steuerbaren Leistungen pro Jahr (weltweit): Du bist von der MWST-Pflicht befreit (Art. 10 MWSTG)
- Ab CHF 100'000: MWST-Anmeldung ist obligatorisch
- Freiwillige Unterstellung: Auch unter CHF 100'000 kannst du auf die Befreiung verzichten (Art. 11 MWSTG) — Vorteil: Vorsteuerabzug
Beispiel: Du kaufst Werkmaterial für CHF 5'000 zuzüglich 8.1 % MWST (CHF 405). Ohne Unterstellung trägst du die CHF 405 selbst. Mit Unterstellung kannst du sie als Vorsteuer zurückfordern — dafür rechnest du auf deinen eigenen Umsätzen MWST ab.
MWST-Sätze seit 1.1.2024: Normalsatz 8.1 %, reduzierter Satz 2.6 % (u. a. Lebensmittel, Bücher, Medikamente), Sondersatz Beherbergung 3.8 %.
Anmeldung: Online über das ESTV-Portal (estv.admin.ch) oder über deinen Treuhänder.
5. Versicherungen abschliessen
Als Selbständige/r bist du nicht BVG-pflichtig (eine freiwillige Pensionskasse ist möglich). Die Pflicht gilt erst für Angestellte mit einem Jahreslohn über CHF 22'680 (2026). Trotzdem brauchst du:
- Krankenversicherung: Obligatorisch, privater Abschluss (Deine normale Krankenkasse)
- Unfall: Als Selbständige/r bist du nicht obligatorisch nach UVG versichert — Unfalldeckung über die Krankenkasse oder eine freiwillige UVG-Versicherung
- Berufshaftpflicht: Für einzelne Berufe gesetzlich vorgeschrieben (z. B. Anwältinnen und Anwälte, Ärztinnen und Ärzte), sonst je nach Risiko empfohlen
- Krankentaggeld (KTG): Empfohlen — ohne KTG fehlt dir bei Krankheit das Einkommen (versichert wird z. B. 80 % des Einkommens, je nach Vertrag)
- Altersvorsorge (Säule 3a): Freiwillig, aber steuerlich abziehbar — ohne Pensionskasse bis 20 % des Erwerbseinkommens, höchstens CHF 36'288 pro Jahr (2026)
Kosten: Die Prämien hängen von Branche, Deckung und Wartefrist ab — hol mehrere Offerten ein. Bei der Säule 3a bestimmst du die Höhe selbst.
6. Buchhaltung aufsetzen
Du bist buchführungspflichtig — aber die Anforderung ist klein:
- Unter CHF 500'000 Umsatzerlös im letzten Geschäftsjahr: Einfache Buchhaltung über Einnahmen, Ausgaben und Vermögenslage («Milchbüchlein», Art. 957 Abs. 2 OR)
- Ab CHF 500'000: Doppelte Buchführung (Bilanz, Erfolgsrechnung)
Einfache Buchhaltung: Du notierst monatlich (oder quartalsweise):
- Alle Einnahmen (Rechnungen an Kunden)
- Alle Ausgaben (Material, Büromaterial, Auto, Nebenkosten)
- Die Differenz ist dein Gewinn (oder Verlust)
- Einmal im Jahr deine Vermögenslage (Kasse, Bank, Guthaben, Schulden)
Das geht auch mit einem einfachen Excel-Sheet. Tools, die helfen:
- Gratis: Banana Buchhaltung (Gratis-Variante), GnuCash (lokale Software)
- Kostenpflichtig: bexio (ab CHF 35/Monat im Jahresabo, exkl. MWST), Banana Buchhaltung Plus (ab CHF 89/Jahr)
Tipp: Rechnungen digital speichern, Quittungen fotografieren, ein separates Geschäftskonto nutzen. Geschäftsbücher und Belege musst du 10 Jahre aufbewahren (Art. 958f OR).
Einzelfirma vs. GmbH — Was ist besser für dich?
Das ist die klassische Frage bei Gründern. Hier der Vergleich mit konkreten Zahlen:
| Kriterium | Einzelfirma | GmbH |
|---|---|---|
| Haftung | Unbegrenzt (privates Vermögen haftbar) | Beschränkt (nur GmbH-Vermögen) |
| Startkapital | CHF 0 (frei wählbar) | CHF 20'000 Minimum, voll einbezahlt |
| Gründungsdauer | Sofort | 3–7 Wochen |
| Gründungskosten | CHF 0 (mit HR-Eintrag ab CHF 80, Grundgebühr) | Notar je nach Kanton (Richtwert CHF 700–2'000) + Handelsregister ab CHF 420 (Grundgebühr), ohne Kapital |
| Notar erforderlich | Nein | Ja (Pflicht) |
| Handelsregister | Pflicht ab CHF 100'000 Umsatz, sonst freiwillig | Obligatorisch |
| Buchhaltung | Einfach (Einnahmen, Ausgaben, Vermögenslage) unter CHF 500'000 Umsatz | Doppelte Buchführung (ab Start) |
| Steuern | Einkommenssteuer auf den ganzen Gewinn | Gewinnsteuer + Einkommenssteuer auf Lohn und Dividende |
| Steuerplanung | Kaum Spielraum: der Gewinn ist Einkommen | Lohn und Dividende planbar — ob es sich lohnt, hängt von Kanton und Gewinn ab |
| Image / Glaubwürdigkeit | Kleiner, weniger formell | Wirkt formeller |
| Angestellte | Möglich, aber volle Haftung | Sauberer, Haftungsbegrenzung |
| Partner aufnehmen | Nicht möglich (Einzelfirma = eine Person) | Möglich (mehrere Gesellschafter) |
Unsere Empfehlung: Start mit Einzelfirma (schnell, günstig, flexibel). Wenn eines dieser Kriterien eintritt, prüf den Wechsel zur GmbH:
- Dein Umsatz wächst stabil über CHF 100'000 (ab dann ist der HR-Eintrag ohnehin Pflicht)
- Haftungsrisiko wird relevant (z.B. Handwerk, Beratung mit Fehlerrisiko)
- Du möchtest einen Partner aufnehmen
- Dein Gewinn ist so hoch, dass sich ein Steuervergleich GmbH vs. Einzelfirma lohnt
- Du willst Investoren aufnehmen (Investoren erwarten GmbH/AG)
Wichtige Pflichten als Einzelfirma
Mit der Einzelfirma kommen auch Verantwortungen. Diese darfst du nicht vergessen:
- Buchführung: Einfache Buchhaltung (Einnahmen, Ausgaben, Vermögenslage) oder doppelte (ab CHF 500'000 Umsatz). Geschäftsbücher und Belege 10 Jahre aufbewahren (Art. 958f OR).
- AHV/IV/EO-Beiträge: Periodisch als Akontobeiträge zahlen (die Rechnungen schickt die Ausgleichskasse). Bei Verzug fallen Verzugszinsen an.
- Steuererklärung: Jährlich einreichen. Dein Geschäftseinkommen ist Teil deiner persönlichen Steuererklärung.
- MWST-Abrechnung: Wenn registriert (ab CHF 100'000 oder freiwillig), in der Regel quartalsweise abrechnen (mit Saldosteuersatz halbjährlich).
- Unbeschränkte Haftung: Dein Privatvermögen (Haus, Auto, Ersparnisse) ist haftbar. Gläubiger können darauf greifen.
- Versicherungen: Krankenversicherung obligatorisch. Berufshaftpflicht je nach Branche. KTG wird nicht automatisch gezahlt.
Wichtig: Die Beitragspflicht beginnt mit deiner Tätigkeit, nicht mit der Anmeldung. Wer spät meldet, bekommt die AHV-Beiträge rückwirkend und auf einmal in Rechnung — melde dich deshalb gleich zu Beginn bei der Ausgleichskasse an.
Wann solltest du zur GmbH wechseln?
Die Einzelfirma ist ein guter Start — aber es gibt Punkte, ab denen ein Wechsel zur GmbH sinnvoll wird. Hier die Triggerpunkte:
- Umsatz CHF 100'000+: Dein Geschäft wächst stabil — die GmbH trennt Geschäfts- und Privatvermögen
- Haftungsrisiko: Du machst Beratung, Bauleitung, Handwerk mit potenziellem Fehlerrisiko → GmbH schützt Privatvermögen
- Partner aufnehmen: Du möchtest zusammen mit jemandem weitermachen → Einzelfirma geht nicht, GmbH ist die Lösung
- Hoher Gewinn: Die GmbH zahlt Gewinnsteuer von effektiv rund 11.66 % bis 20.54 % je nach Kanton (Höchstsätze für Bund, Kanton und Gemeinde am Hauptort, KPMG 2026; einige Kantone besteuern kleinere Gewinne tiefer); Lohn und Dividende versteuerst du zusätzlich privat. Ob das unter dem Strich günstiger ist als die progressive Einkommenssteuer der Einzelfirma, hängt von Kanton und Gewinn ab — lass es durchrechnen.
- Investorenfinanzierung: Wenn du Geld von aussen aufnehmen willst, wollen Investoren eine GmbH/AG
- Kreditvergabe: Banken bevorzugen GmbHs, wenn du grössere Kredite brauchst
Umwandlung durchführen: Eine Einzelfirma lässt sich nicht direkt in eine GmbH umwandeln. Üblich ist die Gründung einer neuen GmbH mit Sacheinlage — bei eingetragenen Einzelfirmen oft über eine Vermögensübertragung nach Art. 69 ff. FusG:
- Gründe eine neue GmbH
- Überführe deine Einzelfirma-Vermögenswerte (Maschinen, Kundenstamm, Goodwill) als Sacheinlage in die GmbH
- Die Gründer erstellen einen Gründungsbericht, den ein zugelassener Revisor prüft und bestätigt (Prüfungsbestätigung, kostenpflichtig)
- Lösche die Einzelfirma im Handelsregister (falls eingetragen) und melde sie bei der Ausgleichskasse ab
Steuerneutral ist die Übertragung unter anderem nur, wenn du einen Betrieb überträgst, die bisherigen Steuerwerte übernommen werden und du die GmbH-Anteile in den folgenden fünf Jahren nicht verkaufst (ESTV-Kreisschreiben Nr. 5a). Kunden und Geschäftsbeziehungen laufen oft nahtlos weiter.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet eine Einzelfirma-Gründung?
Ohne Handelsregister-Eintrag kostet die Gründung einer Einzelfirma nichts: Es gibt kein Mindestkapital, keinen Notar, und die Anmeldung bei der Ausgleichskasse kostet keine Gebühr. Der Handelsregister-Eintrag kostet eine Grundgebühr von CHF 80, dazu CHF 20 je eingetragene Person und Zeichnungsberechtigung, Auslagen und die Beglaubigung deiner Unterschrift. Laufend kommen AHV-Beiträge, Versicherungen und allenfalls eine Buchhaltungssoftware dazu.
Muss ich mich ins Handelsregister eintragen?
Ab einem Umsatzerlös von CHF 100'000 im letzten Geschäftsjahr musst du die Einzelfirma ins Handelsregister eintragen (Art. 931 Abs. 1 OR); ausgenommen sind freie Berufe ohne kaufmännisch geführtes Gewerbe. Darunter ist der Eintrag freiwillig. Angestellte allein lösen keine Eintragungspflicht aus. Der Eintrag kostet eine Grundgebühr von CHF 80 plus CHF 20 je eingetragene Person und Zeichnungsberechtigung sowie Auslagen und schützt deinen Firmennamen an deinem Ort.
Wie melde ich mich bei der AHV an?
Du meldest dich mit dem Formular für Selbständigerwerbende bei der Ausgleichskasse am Geschäftssitz an — meist der kantonalen Ausgleichskasse, als Mitglied eines Verbands, der eine eigene Ausgleichskasse führt, bei dieser Verbandsausgleichskasse. Eine gesetzliche Frist nennt das AHV-Gesetz nicht (Art. 64 Abs. 5 AHVG), die Beiträge schuldest du aber ab Beginn der Tätigkeit. 2026 beträgt der AHV/IV/EO-Beitrag 10 % des Erwerbseinkommens, bei tiefen Einkommen weniger, mindestens CHF 530 pro Jahr (Ausnahmen für den Nebenerwerb).
Kann ich Angestellte in einer Einzelfirma haben?
Ja, eine Einzelfirma kann Mitarbeitende beschäftigen. Als Arbeitgeber meldest du sie bei der Ausgleichskasse an, versicherst sie ab dem ersten Arbeitstag gegen Unfall (UVG) und brauchst eine Pensionskasse für alle mit einem Jahreslohn über CHF 22'680 (BVG-Eintrittsschwelle 2026).
Brauche ich einen Notar für die Einzelfirma-Gründung?
Nein, eine Einzelfirma benötigt keinen Notar. Es gibt keinen formellen Gründungsakt. Die Einzelfirma entsteht automatisch mit Aufnahme der selbständigen Tätigkeit.
Wann sollte ich von der Einzelfirma zur GmbH wechseln?
Ein Wechsel lohnt sich zu prüfen, wenn dein Haftungsrisiko steigt, Partner oder Investoren dazukommen oder dein Gewinn so hoch ist, dass eine GmbH steuerlich günstiger sein kann — das hängt vom Kanton ab. Eine direkte Umwandlung gibt es nicht: Du gründest eine GmbH und bringst die Einzelfirma als Sacheinlage ein.
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