BVG Pflicht für GmbH-Gründer

Der vollständige Guide: Pensionskasse, Kosten und Anschluss in 5 Schritten

12 Min. LesezeitAktualisiert: Oktober 2026

Viele GmbH-Gründer übersehen eine gesetzliche Pflicht, die mit dem ersten Lohn kommt: die Anmeldung bei einer Pensionskasse. Sie entsteht, sobald die GmbH jemandem — auch dir selbst — einen Jahreslohn über CHF 22'680 zahlt, und wird häufig übersehen – mit erheblichen Konsequenzen.

Was viele nicht realisieren: Wer den Anschluss trotz Aufforderung der AHV-Ausgleichskasse nicht nachholt, wird der Stiftung Auffangeinrichtung BVG zum Anschluss gemeldet — rückwirkend, mit Verzugszinsen auf den Beiträgen und den Verwaltungskosten des Zwangsanschlusses (Art. 11 BVG). Diese Kosten lassen sich vermeiden.

Dieser Guide erklärt dir alles, was du über BVG-Pflicht wissen musst: Was das BVG ist, wann genau die Pflicht entsteht, wie viel es kostet, und wie du Schritt für Schritt die richtige Pensionskasse findest und dein Unternehmen anmeldest. Am Ende wirst du sicher wissen, ob deine GmbH betroffen ist – und was du konkret tun musst.

Was ist das BVG und warum betrifft es deine GmbH?

Das BVG – Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge – ist die gesetzliche Grundlage für die zweite Säule der Schweizer Altersvorsorge. Um zu verstehen, warum das für deine GmbH relevant ist, hilft ein kurzer Überblick über das Schweizer Vorsorgesystem:

Die drei Säulen der Schweizer Altersvorsorge

Das Schweizer Vorsorgesystem beruht auf drei Säulen, die zusammen eine umfassende Absicherung bieten:

  • 1. Säule (AHV – Alters- und Hinterlassenenversicherung): Das ist die staatliche Grundsicherung. Sie finanziert sich durch Beitragszahlungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Die AHV zahlt lebenslang eine Rente aus; reicht sie zum Leben nicht, gibt es Ergänzungsleistungen.
  • 2. Säule (Berufliche Vorsorge – das BVG): Das ist die betriebliche Altersvorsorge. Sie soll zusammen mit der AHV den gewohnten Lebensstandard sichern. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen in einen Rentenfonds ein, aus dem später Renten und Kapitalleistungen gezahlt werden.
  • 3. Säule (Private Vorsorge): Das ist die freiwillige, private Sparform. Jeder kann zusätzlich Geld zur Seite legen – mit Steuervergünstigungen in der 3a und flexibel in der 3b.

Das BVG regelt die zweite Säule. Es ist für Arbeitgeber in der Schweiz verpflichtend, ihre Angestellten ab der Eintrittsschwelle in einer Pensionskasse zu versichern – nicht freiwillig, sondern gesetzlich zwingend. Die BVG ist also nicht optional wie die private Vorsorge, sondern eine Pflichtleistung des Arbeitgebers.

BVG-Pflicht — wann musst du eine Pensionskasse anschliessen?

Nicht jedes Unternehmen ist sofort verpflichtet, eine Pensionskasse zu haben. Die Pflicht entsteht erst ab einer bestimmten Schwelle. Diese Schwelle nennt sich Eintrittsschwelle.

Die Eintrittsschwelle 2026: CHF 22'680

Die Eintrittsschwelle für das BVG liegt für 2025/2026 bei CHF 22'680 Jahreslohn. Sie entspricht drei Vierteln der maximalen AHV-Altersrente und wird mit den AHV-Renten angepasst, in der Regel alle zwei Jahre. Alle BVG-Grenzbeträge gelten unverändert für 2025 und 2026 (BSV, Beträge gültig ab 1. Januar 2026). Der Bundesrat hat am 2. Oktober 2026 die Anpassung per 1. Januar 2027 beschlossen: Eintrittsschwelle neu CHF 23'040, Koordinationsabzug neu CHF 26'880.

Das bedeutet praktisch: Sobald du einen Angestellten (inklusive dich selbst, wenn du einen Lohn beziehst) mit einem Jahreslohn über CHF 22'680 hast, entsteht eine BVG-Anmeldungspflicht — ausgenommen befristete Anstellungen von höchstens drei Monaten.

Wichtig: Diese Schwelle gilt pro Person und Arbeitgeber. Wenn du fünf Angestellte mit je CHF 10'000 Jahreslohn hast, liegt jede Person unter der Schwelle — also keine Pflicht. Wenn du dagegen einen Angestellten mit CHF 30'000 pro Jahr hast, entsteht sofort die Pflicht.

Sonderfall: Geschäftsführer als Angestellter

Der Geschäftsführer einer GmbH ist üblicherweise ein Angestellter mit einem Arbeitsvertrag. Das bedeutet: Wenn du als Gründer/Geschäftsführer dir selbst einen Lohn über CHF 22'680 auszahlst, fällst du selbst unter die BVG-Pflicht.

Das ist eine häufige Verwirrung: Du bist als GF nicht nur "Eigentümer" der Firma, sondern auch ihr Angestellter. Darum musst du dich (und später jeden weiteren Mitarbeiter über der Schwelle) selbst in einer Pensionskasse versichern. Diese Versicherung ist nicht optional – sie ist Pflicht, sobald der Lohn stimmt.

Praktisch bedeutet das: Wenn du als alleiniger Gründer einen Jahreslohn von CHF 60'000 beziehst, versichert dich deine GmbH in einer Pensionskasse. Die Firma zahlt den Arbeitgeberanteil, dein Arbeitnehmeranteil wird dir vom Lohn abgezogen.

Einpersonen-GmbH ohne Angestellte

Hier wird es tricky: Wenn du Gründer einer Einpersonen-GmbH bist und dir selbst einen Lohn über der Eintrittsschwelle auszahlst, bist du Arbeitnehmer und unterliegst dem BVG.

Manche Gründer versuchen, die BVG-Pflicht zu umgehen, indem sie sich ausschliesslich über Dividenden auszahlen statt über Lohn. Für das BVG zählt der AHV-Lohn (Art. 7 Abs. 2 BVG), und eine Dividende ist grundsätzlich keiner. Aber: Trifft ein unangemessen tiefer Lohn mit einer offensichtlich überhöhten Dividende zusammen, rechnet die AHV-Ausgleichskasse einen Teil der Dividende als Lohn auf — und dieser Lohn kann die BVG-Schwelle überschreiten, rückwirkend. Dazu kommt: Ohne Lohn baust du weder AHV- noch Pensionskassenguthaben auf.

Unser Rat: Wenn du als Gründer in deiner GmbH tätig bist, zahle dir einen fairen Lohn aus – und schliesse deine GmbH rechtzeitig einer Pensionskasse an, sobald dein Lohn über CHF 22'680 liegt. Das ist transparent und rechtlich sauber.

BVG-Beiträge — was kostet es?

Die Kosten für die BVG sind nicht einheitlich – sie hängen von mehreren Faktoren ab: dem Alter der versicherten Personen, dem Lohn, und welcher Pensionskasse du beitrittst. Hier sind die wichtigsten Faktoren:

Altersabhängige Beitragssätze

Das BVG schreibt Altersgutschriften vor, die mit dem Alter steigen (Art. 16 BVG). Sie sind das gesetzliche Minimum fürs Alterssparen; dazu kommen Risikobeiträge für Tod und Invalidität sowie Verwaltungskosten, und viele Pensionskassen versichern mehr als das Minimum:

AlterAltersgutschrift (BVG-Minimum)Anmerkung
25–34 Jahre7%Junge Arbeitnehmende: tiefere Sätze
35–44 Jahre10%Mittleres Alter: moderate Sätze
45–54 Jahre15%Höhere Sätze wegen kürzerer Anspardauer
55–65 Jahre18%Höchste Sätze vor Pensionierung

Diese Sätze beziehen sich auf den "koordinierten Lohn" (siehe nächster Punkt). Bis 24 Jahre sind nur Tod und Invalidität versichert. Das Wichtige: Für einen 55-Jährigen fallen deutlich höhere Beiträge an als für einen 25-Jährigen – auch wenn sie das gleiche Gehalt verdienen.

Der koordinierte Lohn: Das Geheimnis der Berechnung

Die Beiträge werden nicht vom Bruttolohn berechnet, sondern vom koordinierten Lohn. Hier wird ein Koordinationsabzug angewendet, um Doppelsparen zu vermeiden.

Koordinationsabzug für 2025/2026: CHF 26'460

Das funktioniert so: Der Koordinationsabzug wird vom Bruttolohn abgezogen. Der Rest ist der koordinierte Lohn, auf dem die BVG-Beiträge berechnet werden.

Formel: Koordinierter Lohn = Bruttolohn − Koordinationsabzug

Liegt dein Lohn über CHF 22'680, aber unter CHF 30'240, ergäbe die Formel einen sehr kleinen oder sogar negativen Betrag. Deshalb gilt ein Mindestbetrag: Versichert ist mindestens ein koordinierter Lohn von CHF 3'780 (Stand 2026).

Beispiel: Du verdienst CHF 60'000 pro Jahr. Der koordinierte Lohn ist dann: 60'000 − 26'460 = CHF 33'540. Auf diesen Betrag werden deine BVG-Beiträge berechnet.

Warum dieser Abzug? Die AHV (1. Säule) deckt den unteren Lohnteil bereits ab. Die berufliche Vorsorge (2. Säule) soll sie ergänzen, nicht verdoppeln. Der Koordinationsabzug entspricht sieben Achteln der maximalen AHV-Altersrente.

Die obere Grenze: der maximal versicherte Lohn

Es gibt auch eine Obergrenze. Für 2025/2026 liegt der im Obligatorium höchstens versicherte Jahreslohn bei CHF 90'720. Verdienst du mehr, rechnet das gesetzliche Minimum nicht mit dem übersteigenden Betrag; viele Pensionskassen versichern freiwillig auch höhere Löhne.

Beispiel: Du verdienst CHF 100'000. Die BVG berechnet Beiträge nur auf CHF 90'720 (oder genauer: auf CHF 90'720 − 26'460 = CHF 64'260 koordinierter Lohn — das ist zugleich der amtliche maximale koordinierte Jahreslohn).

Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil

Die BVG-Beiträge werden geteilt: Der Arbeitgeber zahlt insgesamt mindestens gleich viel wie alle Arbeitnehmenden zusammen (Art. 66 Abs. 1 BVG). Er darf auch mehr übernehmen.

Als Gründer einer Einpersonen-GmbH zahlst du also: (a) Den Arbeitgeberanteil aus der Firmenkasse, (b) Den Arbeitnehmeranteil aus deinem persönlichen Lohn (mit Lohnabzug, wie bei AHV/IV/ALV).

Beispielrechnung: 35-Jähriger Gründer mit CHF 80'000 Jahreslohn

Daten:

  • Alter: 35 Jahre
  • Bruttolohn: CHF 80'000
  • Altersgutschrift (Altersgruppe 35–44, BVG-Minimum): 10%
  • Koordinationsabzug (Stand 2025/2026): CHF 26'460

Berechnung:

Koordinierter Lohn = CHF 80'000 − CHF 26'460 = CHF 53'540

Gesamtbeitrag (beide Teile) = CHF 53'540 × 10% = CHF 5'354 pro Jahr

Arbeitgeberanteil (50%) = CHF 2'677 (zahlt die Firma)

Arbeitnehmeranteil (50%) = CHF 2'677 (wird vom Bruttolohn abgezogen)

Monatliche Belastung: Ca. CHF 446 pro Monat Gesamtbeitrag — plus Risikobeiträge und Verwaltungskosten der Pensionskasse

Für deine Firmenrechnung: Der Arbeitgeberanteil von CHF 2'677 pro Jahr ist Personalaufwand der GmbH.

So findest du die richtige Pensionskasse

Es gibt hunderte von Pensionskassen in der Schweiz. Sie unterscheiden sich in Struktur, Kosten, Leistungen und Flexibilität. Eine kleine GmbH schliesst sich in der Regel einer Sammelstiftung an; entscheidend ist, wer welches Risiko trägt:

1. Sammelstiftung (häufigste Option für KMU)

Eine Sammelstiftung versichert viele kleine und mittlere Unternehmen unter einem Dach — jede Firma mit eigenem Anschlussvertrag. Sammelstiftungen gibt es als Vollversicherung und als teilautonome Lösung (siehe unten).

Geeignet für: Einzelgründer und kleine Teams, die keine eigene Pensionskasse führen können.

2. Vollversicherung (Versicherungsmodell)

Bei einer Vollversicherung sind alle Risiken — Anlage, Langlebigkeit, Tod und Invalidität — bei einer Versicherungsgesellschaft versichert; eine Unterdeckung kann es dort nicht geben. Der Preis dafür ist eine vorsichtigere Anlage mit tieferer Renditeerwartung.

Geeignet für: Gründer, die Planungssicherheit wollen und keine Sanierungsbeiträge riskieren möchten.

3. Teilautonome Lösung (Hybrid-Modell)

Bei einer teilautonomen Sammelstiftung legt die Stiftung das Sparkapital selbst an und trägt das Anlagerisiko; die Risiken Tod und Invalidität sind meist bei einer Versicherung rückversichert. Gerät die Stiftung in Unterdeckung, können Sanierungsbeiträge oder eine tiefere Verzinsung folgen.

Geeignet für: Gründer, die längerfristig höhere Renditechancen wollen und dafür Schwankungen in Kauf nehmen. Prüfe Deckungsgrad und Reserven der Stiftung.

Kriterien zum Vergleichen

  • Verwaltungskosten: Welche Gebühren fallen an? Nur Verwaltung oder auch Garantie?
  • Umwandlungssatz: Der Satz, mit dem dein angespartes Kapital in eine Rente umgewandelt wird. Für den obligatorischen Teil schreibt das Gesetz mindestens 6,8% vor (Art. 14 BVG); für den überobligatorischen Teil legt jede Pensionskasse den Satz selbst fest. Ein höherer Satz ergibt bei gleichem Kapital eine höhere Rente.
  • Anlagerendite: Wie hat die Pensionskasse die Gelder in den letzten 5 Jahren angelegt? Welche Rendite wurde erzielt?
  • Leistungen bei Invalidität und Tod: Wie gross ist die Todesfallleistung? Wie läuft der Prozess bei Invalidität?
  • Flexibilität: Kannst du später wechseln? Gibt es Optionen bei Pensionierung?
  • Betreuung: Gibt es eine Ansprechperson für Fragen?

Wo du Anbieter findest

Offerten holst du direkt bei Sammelstiftungen ein. Auch die Stiftung Auffangeinrichtung BVG schliesst Arbeitgeber auf Wunsch an (Art. 60 BVG).

Wichtig: Das passende Angebot ist nicht automatisch das günstigste. Vergleiche mindestens 3 Anbieter, hole Offerten ein, und achte auf das Gesamtpaket.

Schritt-für-Schritt: BVG-Anschluss

Der BVG-Anschluss ist nicht kompliziert, braucht aber Struktur und Timing. Hier sind die fünf konkreten Schritte:

Schritt 1: Pensionskassen-Anbieter vergleichen (1–2 Wochen)

Erstelle eine kurze Liste von 3–5 Pensionskassen, die für deine Situation in Frage kommen. Rufe an oder schreibe, und frage nach den Aufnahmebedingungen für Neugründungen.

Bereite folgende Informationen vor, bevor du kontaktierst:

  • Dein Name und Gründungsdatum der GmbH
  • Branche/Tätigkeitsbereich
  • Anzahl Angestellte (jetzt und geplant in 2 Jahren)
  • Lohnsumme (dein Lohn + Angestelltenlöhne)
  • Alter der zu versichernden Personen

Schritt 2: Offerte einholen (1 Woche)

Jede Pensionskasse wird dir ein Angebot (Offerte) machen. Dieses Angebot enthält:

  • Verwaltungskosten (in % der Lohnsumme oder als Fixbetrag)
  • Garantierte Leistungen
  • Umwandlungssatz
  • Versicherungsleistungen (Invalidität, Todesfall)
  • Künftige Änderungen oder Risiken

Vergleiche mindestens 2–3 Offerten nebeneinander. Achte auf versteckte Gebühren.

Schritt 3: Anschlussvertrag unterschreiben (1 Tag)

Sobald du dich für eine Pensionskasse entschieden hast, unterschreibst du den Anschlussvertrag. Dieser Vertrag regelt:

  • Versicherungsleistungen und Bedingungen
  • Beitragssätze und Zahlungsmodalitäten
  • Beginn des Anschlusses — er muss das erste BVG-pflichtige Arbeitsverhältnis abdecken
  • Kündigungsbedingungen

Der Vertrag ist rechtlich bindend – signiere ihn nur, wenn du sicher bist.

Schritt 4: Mitarbeiter anmelden (laufend)

Sobald du einen Angestellten mit einem Jahreslohn über CHF 22'680 einstellst oder dir selbst einen solchen Lohn auszahlst, musst du diese Person bei der Pensionskasse anmelden.

Die Pensionskasse stellt dir dafür ein Anmeldeformular zur Verfügung. Darin trägst du ein:

  • Name, Geburtsdatum, AHV-Nummer
  • Jahreslohn
  • Beginn des Arbeitsverhältnisses
  • Abteilung/Funktion

Melde neue Mitarbeitende sofort: Versichert sind sie von Gesetzes wegen ab Antritt des Arbeitsverhältnisses (Art. 10 BVG).

Schritt 5: Beiträge zahlen

Die Pensionskasse stellt die Beiträge gemäss Anschlussvertrag in Rechnung. Du zahlst den Gesamtbeitrag (Arbeitgeber- + Arbeitnehmeranteil) – den Arbeitnehmeranteil ziehst du vom Lohn des Mitarbeiters ab.

Zahlungsfrist: Spätestens bis Ende des ersten Monats nach dem Kalender- oder Versicherungsjahr, für das die Beiträge geschuldet sind (Art. 66 Abs. 4 BVG); viele Anschlussverträge verlangen kürzere Zahlungsrhythmen.

Buchhaltung: Der Arbeitgeberanteil ist Personalaufwand der GmbH.

Tipp: Plane den Anschluss 2–3 Wochen VOR der ersten BVG-pflichtigen Lohnzahlung, nicht danach. Ein fehlender Anschluss führt zu rückwirkenden Beiträgen mit Verzugszins.

Häufige Fehler beim BVG

Viele Gründer machen häufige Fehler, die teuer werden. Hier sind die wichtigsten – und wie du sie vermeidest:

Fehler 1: Anschluss verschleppt und in die Auffangeinrichtung fallen

Das ist der kostspieligste Fehler. Die AHV-Ausgleichskasse prüft, ob ihre Arbeitgeber einer Pensionskasse angeschlossen sind. Fehlt der Anschluss, fordert sie dich auf, ihn innert zwei Monaten nachzuholen; geschieht das nicht, meldet sie deine Firma der Stiftung Auffangeinrichtung BVG zum rückwirkenden Anschluss (Art. 11 BVG). Die Auffangeinrichtung ist eine von den Sozialpartnern im Auftrag des Bundes gegründete Stiftung.

Folge: Der Anschluss gilt rückwirkend ab dem ersten BVG-pflichtigen Lohn. Die Beiträge für die ganze Zeit werden auf einmal fällig, mit Verzugszins, und Auffangeinrichtung und Ausgleichskasse stellen dir ihren Verwaltungsaufwand in Rechnung (Art. 11 BVG).

Lösung: Kläre den Anschluss, bevor du den ersten Lohn über CHF 22'680 im Jahr zahlst — nicht erst auf Aufforderung.

Fehler 2: Zu niedriges Versicherungsniveau gewählt

Manche Gründer wählen aus Kostengründen nur das gesetzliche Minimum. Das spart kurzfristig, führt aber zu einer kleineren Rente.

Tipp: Vergleiche nicht nur Kosten, sondern auch die versicherten Leistungen — lass dir in der Offerte die voraussichtliche Altersrente sowie die Invaliden- und Todesfallleistungen ausweisen.

Fehler 3: Geschäftsführer-Lohn nicht korrekt angemeldet

Viele Gründer sind sich nicht bewusst, dass sie selbst versichert werden müssen – oder sie melden sich mit einem zu tiefen Lohn an (weil sie zeitweise von Dividenden leben). Das führt später zu massiven Lücken in der Altersvorsorge.

Regel: Melde dich mit deinem ECHTEN Lohn an – nicht mit einem Dummy-Lohn nur um die Pflicht zu erfüllen.

Fehler 4: Keine Geschäftsführer-Versicherung abschliessen

Es gibt optionale Zusatzversicherungen für GF und Inhaber (z.B. höhere Invaliditätsleistung, Todesfallschutz). Viele Gründer verzichten aus Kostengründen – und tragen dann das volle Risiko selbst.

Empfehlung: Prüfe, ob eine zusätzliche Risiko-Versicherung Sinn macht, vor allem wenn du jung und nur ein Einkommen hast.

Fehler 5: Bücher nicht sauber geführt

Die AHV-Ausgleichskasse prüft den BVG-Anschluss bei der Aufnahme, bei der jährlichen Lohnabrechnung und bei Arbeitgeberkontrollen. Wenn Lohn und Beiträge nicht konsistent dokumentiert sind, drohen Nachzahlungen.

Lösung: Arbeite mit einem Treuhänder oder guten Buchhaltungs-Tool zusammen und halte alle Lohnunterlagen sauber.

Häufig gestellte Fragen zum BVG

Ab wann ist eine BVG-Pensionskasse für meine GmbH Pflicht?

Eine BVG-Anmeldung ist Pflicht, sobald du einen Angestellten (inklusive Geschäftsführer) mit einem Jahreslohn über der Eintrittsschwelle von CHF 22'680 (2025/2026; ab 1. Januar 2027 CHF 23'040) hast — ausgenommen befristete Anstellungen von höchstens drei Monaten. Das gilt auch für die Einpersonen-GmbH: Bezieht der Gründer als Geschäftsführer einen Lohn über der Schwelle, ist er selbst BVG-pflichtig.

Ich bin Einzelgründer und arbeite nur selbst in meiner GmbH. Brauche ich eine Pensionskasse?

Das kommt auf deinen Lohn an: Zahlt dir die GmbH einen Jahreslohn über CHF 22'680, ja. Massgebend ist der AHV-Lohn (Art. 7 Abs. 2 BVG) — eine Dividende ist kein BVG-Lohn. Rechnet die Ausgleichskasse aber einen Teil einer offensichtlich überhöhten Dividende als Lohn auf, zählt dieser Teil auch für das BVG. Kläre deine Lohnhöhe deshalb mit deiner Treuhänderin oder deinem Treuhänder.

Wie lange habe ich Zeit, meine GmbH bei einer Pensionskasse anzumelden?

Eine Schonfrist kennt das BVG nicht: Wer einen BVG-pflichtigen Lohn zahlt, muss einer registrierten Pensionskasse angeschlossen sein (Art. 11 BVG), und versichert ist die Person ab Antritt des Arbeitsverhältnisses (Art. 10 BVG). Die AHV-Ausgleichskasse prüft den Anschluss; fehlt er, fordert sie dich auf, dich innert zwei Monaten anzuschliessen. Danach meldet sie deine Firma der Auffangeinrichtung zum rückwirkenden Anschluss — mit Beiträgen, Verzugszins und den Verwaltungskosten des Zwangsanschlusses.

Welche Pensionskasse ist die beste für meine GmbH?

Es gibt keine universell beste Lösung – es kommt auf deine Mitarbeiterzahl, Branche, Budget und Risikotoleranz an. Kleine Firmen schliessen sich meist einer Sammelstiftung an. Bei einer Vollversicherung trägt der Versicherer auch das Anlagerisiko; bei einer teilautonomen Sammelstiftung tragen es die angeschlossenen Firmen und Versicherten, dafür sind die Renditechancen höher. Vergleiche mindestens 3 Offerten, achte auf Verwaltungskosten, Risikobeiträge, Verzinsung und Umwandlungssatz.

Muss mein Geschäftsführer in die eigene Pensionskasse?

Ja, wenn der GF ein Arbeitsverhältnis mit der GmbH hat und sein Jahreslohn über CHF 22'680 liegt. Der GF ist dann Arbeitnehmer und unterliegt der BVG-Pflicht wie jeder andere Angestellte auch. Als Gründer kannst du dich nicht selbst "ausschliessen".

Was ist der Koordinationsabzug und warum existiert er?

Der Koordinationsabzug (CHF 26'460 für 2025/2026; ab 1. Januar 2027 CHF 26'880) wird vom Bruttolohn abgezogen, weil die AHV (1. Säule) den unteren Lohnteil bereits abdeckt. Das BVG-Obligatorium versichert nur den Lohn oberhalb dieses Abzugs. Ein Beispiel: Bei CHF 80'000 Lohn ist der koordinierte Lohn (80'000 − 26'460) = CHF 53'540.

Bereit, deine GmbH anzumelden?

Du weisst jetzt, dass BVG-Pflicht entsteht und wie du damit umgehen musst. Der nächste Schritt: Kontaktiere 3 Pensionskassen, hole Offerten ein, und melde dich an. Mit Floow gründest du deine Firma selbst. Erinnerungen an AHV, MWST und GV sind geplant — bis dahin sagt dir Donna, welche Fristen für deine Firma gelten.

So ist diese Seite entstanden: Recherche und Text mit KI-Unterstützung. Zahlen und Rechtsaussagen werden gegen amtliche Quellen abgeglichen. Verantwortlich: Ivan Markovic, Gründer von Floow. Stand: Oktober 2026. So arbeiten wir mit KI
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Floow Redaktion

Fachinhalte zur Firmengründung in der Schweiz. Quellen: BFS, ESTV, SECO, kantonale Handelsregisterämter.

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